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Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Lebensversicherung vor Trendwende? Allianz erhöht 2023 Zinsen

Die Lebensversicherung galt viele Jahre lang als solide Vorsorgemöglichkeit. Doch je niedriger der Garantiezins wurde, desto mehr verlor sie ihre Attraktivität. Das könnte sich jetzt ändern. Denn erstmals seit 15 Jahren erhöht die Allianz ihre laufende Verzinsung. Stellt dies eine Trendwende dar?

  • Seit Jahren nimmt die laufende Verzinsung für die Renten- und Lebensversicherung ab.
  • 2023 werden viele Versicherer ihre Verzinsung immerhin stabil halten.
  • Mit der Allianz setzt jedoch einer der größten Anbieter ein klares Zeichen. Sie erhöht ihre Zinsen.

Bei der Lebens- und Rentenversicherung ist die sogenannte laufende Verzinsung ein wichtiger Wert. Sie setzt sich aus dem Garantiezins und der Überschussbeteiligung zusammen. Während der Garantiezins eine feste Größe ist, schwankt die Überschussbeteiligung jährlich.

Seit Jahren kennt die laufende Verzinsung in der Lebens- und Rentenversicherung nur einen Weg: nach unten. Von 2008 bis 2022 sank sie für Neukunden bei klassischen Rentenversicherungen von 4,4 Prozent auf 2,15 Prozent. Bei den Lebensversicherungen ist der Trend ähnlich.

Dieser Abwärtstrend könnte nun jedoch vorbei sein, schätzt die Ratingagentur Assekurata. Sie erwartet eine leichte Erhöhung für klassische Renten- und Lebensversicherungen, berichtet das Handelsblatt.

Lebensversicherung: Kleine Erhöhung der Verzinsung für Allianz-Kunden

Ein Faktor für die positive Einschätzung der Ratingagentur: Mit der Allianz hat einer der größten Lebensversicherer angekündigt, die laufende Verzinsung 2023 zu erhöhen – erstmals seit 2008. Für das Produkt „Perspektive“ steigt sie von 2,4 Prozent auf 2,6 Prozent. Die Gesamtverzinsung erhöht sich auf 3,5 Prozent. Bei der klassischen Renten- und Lebensversicherung sind es 2023 3,2 Prozent, wobei die laufende Verzinsung bei 2,5 Prozent liegen wird.

Zum Vergleich: 2010 lag die laufende Verzinsung für die klassische Lebensversicherung bei der Allianz noch bei 4,3 Prozent, 2015 waren es 3,4 Prozent und 2021 sowie 2022 nur noch 2,3 Prozent.

„Das war ein verrücktes Jahr an den Kapitalmärkten. Wir nehmen den Rückenwind von den steigenden Zinsen mit, müssen aber weiter mit starken Schwankungen rechnen“, sagte Produkt- und Privatkunden-Vorstand Volker Priebe gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. „Die Zeiten bleiben unsicher“. Ob die Allianz also eine generelle Kehrtwende eingeläutet hat und das Zinsniveau dauerhaft zunehmen wird, ist offen.

Garantiezins bleibt 2024 wohl auf niedrigem Niveau

Generell hat zumindest die Europäische Zentralbank ein positives Zeichen für Zinsverbesserungen gegeben. Seit Juli nimmt der Leitzins immer mehr zu, aktuell beträgt er 2,0 Prozent. Dies könnte auch zu einer Erhöhung des Garantiezinses führen. Doch hier zeigt sich die Deutsche Aktuarvereinigung zögerlich. Sie empfiehlt für 2024 den Wert von 0,25 Prozent beizubehalten.

Hintergrund ist die Annahme, dass sich die Zinssituation am Kapitalmarkt erst langfristig stabilisieren muss, ehe der Höchstrechnungs- oder Garantiezins angehoben wird. Die hohe Inflation und der Krieg in der Ukraine sind nur zwei Punkte, warum ein langfristig stabiler Kapitalmarkt schwer absehbar ist.

Zwar legt das Bundesfinanzministerium den Garantiezins fest, folgt dabei aber häufig der Empfehlung der Vereinigung.

Laufende Verzinsung 2023 im Überblick

Laut dem Versicherungsjournal haben neben der Allianz auch die Bayerische Versicherung, die Bayerische Beamten Lebensversicherung und die Bayern-Versicherung Lebensversicherung angekündigt, ihre laufende Verzinsung zu erhöhen. Viele andere Versicherer geben dagegen an, ihre Verzinsung 2023 stabil zu halten. Dazu zählen:

  • AXA / DBV: 2,6 Prozent
  • Ideal: 3,0 Prozent
  • Alte Leipziger: Klassik bei 2,05 Prozent, moderne Klassik bei 2,1 Prozent
  • Nürnberger: 2,25 Prozent
  • Swiss Life: 2,25 Prozent