Überschwemmung
Jenny Gebel
Jenny Gebel

Online-Redakteurin

Risiko Wohnen: Versicherer wollen neuen Gefahrenausweis für Gebäude

Hochwasser im Ahrtal, Sturmtief Bernd: Naturgewalten haben 2021 reihenweise Wohnhäuser stark beschädigt oder gar zerstört. Wie gefährlich ist es auch vor dem Hintergrund des Klimawandels, in Teilen Deutschlands zu leben? Eine Idee der deutschen Versicherer könnte Aufschluss geben und größeren Schäden vorbeugen.

  • Der Gesamtverband der Deutschen Versicherer (GDV) schlägt vor, einen Naturgefahrenausweis für Gebäude einzuführen.
  • Das Dokument soll zeigen, wie schadensanfällig ein Haus bei Hochwasser & Co. ist.
  • Die Idee orientiert sich am Energieausweis und soll die Entscheidungen rund um Kauf und Absicherung vereinfachen.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft schlägt einen Naturgefahrenausweis für jedes Gebäude vor. Dieser soll aufzeigen, wie schadensanfällig eine Immobilie gegenüber Naturgewalten ist, etwa Überschwemmungen durch Starkregen, Hochwasser, Erdsenkungen oder Erdbeben.

Als Vorbild für diese Idee dient der Energieausweis. Mit Kennzahlen zur Energieeffizienz eines Hauses sorgt er für mehr Transparenz auf dem Immobilienmarkt. Kauf- und Mietinteressenten sehen auf einem Blick, welche Energiekosten mit dem Haus auf sie zukommen.

Mit einem Naturgefahrenausweis erhoffen sich die Versicherer einen ähnlichen Effekt, nämlich, dass Hausbesitzer ebenso wie Mieter, Kaufinteressenten und Immobilienverkäufer ein stärkeres Bewusstsein für die steigenden Risiken durch Extremwetterereignisse entwickeln.

Naturgefahrenausweis als Entscheidungsgrundlage

Nach Vorstellung des GDV sollte das Dokument nicht nur Aussagen über das Gebäude enthalten, sondern auch „eine Übersicht über alle verfügbaren ortsgenauen Informationen zu Naturgefahren“. Diese Infos könnten eine wichtige Entscheidungsgrundlage für verschiedene Belange rund um das Haus sein. Neben den Hausbesitzern nennt der GDV auch Verwaltungen, Handwerker, Versicherungen und Banken, für die die Kennziffern zur Schadensanfälligkeit eines Gebäudes interessant sein könnten.

GDV: Mehr Aufklärung zu Gefahrenrisiko und Schutzmaßnahmen

Neben dem Ausweis macht der Verband in seinem Konzeptpapier noch weitere Vorschläge, wie das Risiko von Naturgefahren in Zukunft mehr ins Bewusstsein rücken könnte, und zwar bei allen Verbrauchern. Über ein bundesweites Naturgefahrenportal sollen sich Bürger über derartige Gefahren informieren können sowie Tipps zu Prävention und Absicherung erhalten.

Darüber hinaus will sich der GDV für einheitliche Bauregelungen einsetzen für Gebiete, in denen hohes Risiko für Naturgefahren besteht.

Extreme Wetter bringen extreme Schadenskosten

Dass sich die Versicherer um diese Themen viele Gedanken machen, wundert nicht. Immerhin hatte die Branche durch Unwetterschäden hohe Schadenskosten zu verzeichnen. Allein das Sturmtief Bernd verursachte eine Schadensbelastung in Höhe von rund 8,2 Milliarden Euro.

Was war mit der Pflichtversicherung gegen Elementarschaden?

In diesem Zusammenhang denkt man schnell wieder an die Idee einer verpflichtenden Versicherung gegen Elementarschäden. Dafür setzen sich die Bundesländer ein, etwa Sachsen und Baden-Württemberg. Die Bundesregierung prüft dem GDV zufolge voraussichtlich bis Ende Dezember die Einführung einer solchen Pflichtversicherung.

Die Versicherungswirtschaft hält nichts von einer Verpflichtung und dem starken Fokus auf den Versicherungsschutz. Sie bevorzugt ein Vertragsmodell mit Opt-Out-Option und plädiert generell für ein breit aufgestelltes Maßnahmenkonzept, mit dem sich die Gesellschaft auf ein Leben mit immer stärkeren Naturgefahren einstellen kann.