Berufsunfähigkeits-
versicherung
Ratgeber

Kann ich meine Berufsunfähigkeitsversicherung in der Steuererklärung geltend machen? Antworten auf diese und weitere Fragen finden Sie hier.

Berufsunfähigkeitsversicherung Steuererklärung: Was muss beachtet werden?

Die Beiträge zur privaten Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) sind mittels Steuererklärung prinzipiell von der Lohnsteuer beziehungsweise Einkommenssteuer absetzbar. Dies gilt allerdings nur bis zu einem bestimmten Höchstbetrag, der oft schon durch andere Versicherungsbeiträge ausgeschöpft wird. Empfängt der Versicherungsnehmer später eine Berufsunfähigkeitsrente, muss diese darüber hinaus in vielen Fällen auch versteuert werden.

Berufsunfähigkeitsversicherung Steuererklärung
Berufsunfähigkeitsversicherung:
Steuererklärung richtig ausfüllen.

Beitragszahlungen zur Berufsunfähigkeitsversicherung in der Steuererklärung

Die monatlichen Berufsunfähigkeitsversicherung Kosten lassen sich in der Steuererklärung als Vorsorgeaufwendungen absetzen. Die entsprechenden jährlichen Beiträge müssen dazu in die Anlage Vorsorgeaufwand eingetragen werden. Ein tatsächlicher steuerlicher Vorteil entsteht dem Versicherten allerdings nur unter einer Bedingung: Der Höchstbetrag an von der Steuer absetzbaren Vorsorgeaufwendungen darf noch nicht ausgereizt sein. Wie hoch dieser Höchstbetrag ausfällt, hängt davon ab, ob eine eigenständige beziehungsweise selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung (SBU) oder eine Berufsunfähigkeitszusatzversicherung (BUZ) in der Steuererklärung geltend gemacht werden soll.

  • Welcher Höchstbetrag gilt für die selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung?

Eine selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung (SBU) wird als Police ohne zusätzliche Leistungen aus anderen Versicherungsarten abgeschlossen. Bei dieser Art von sonstigen Vorsorgeaufwendungen gilt ein von der Steuer absetzbarer Höchstbetrag von 1.900 Euro für Arbeitnehmer und Beamte beziehungsweise 2.800 Euro für Selbstständige. Allerdings fallen unter diesen Grenzbetrag auch Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung und Pflegeversicherung. Da diese Beiträge ebenfalls über die Steuererklärung abgesetzt werden, bleibt selten noch Abzugsspielraum für die Prämien zur privaten Berufsunfähigkeitsversicherung. Denn schon bei einem Bruttomonatsgehalt vom 2.000 Euro wird der absetzbare Höchstbetrag erreicht.

Dieser Problematik wollte der Gesetzgeber mit einer neuen Regelung zum 1. Januar 2014 begegnen. Mit dem Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz (AltvVerbG) wurde eine Grundlage geschaffen, mit der man zukünftig die Beiträge zur privaten Berufsunfähigkeitsversicherung in höherem Maße in der Steuererklärung geltend machen kann, ab dem Jahr 2025 sogar zu 100 Prozent. Möglich soll dies im Rahmen des Abzugsvolumens für die Basisversorgung (Altersvorsorgeaufwendungen) werden: Im Jahr 2016 sind insgesamt bis zu 82 Prozent des Höchstbetrags von 22.766 Euro (Einzelpersonen) beziehungsweise 45.532 Euro (Ehepartner bei Zusammenveranlagung) steuerlich absetzbar.

Ähnlich wie die staatlich geförderte private Altersvorsorge (Riester-Rente und Rürup-Rente) soll auch ein staatlich geförderter Schutz bei Berufsunfähigkeit eingerichtet werden. Die steuerliche Begünstigung solcher „Basis SBU“ Tarife ist allerdings an strenge Bedingungen geknüpft. Zum einen muss sich die Versicherungsgesellschaft an bestimmte Regeln zum Verbraucherschutz halten. Zum anderen muss die Versicherung eine lebenslange Leistungsdauer anbieten.

Doch eben vor dieser Auflage, im Versicherungsfall eine lebenslange Rente zahlen zu müssen, schrecken viele Versicherer noch zurück. Das finanzielle Risiko ist ihnen viel zu hoch. Denn als Standard gilt bei den meisten Berufsunfähigkeitsversicherungen eine Leistungsdauer bis zum 67. Lebensjahr, das heißt bis zum Renteneintrittsalter, ab dem gesetzlich Rentenversicherte ohnehin ihre gesetzliche Altersvorsorge beziehen. Versicherungsexperten warnen, dass diejenigen Anbieter, die bereit sind, dieses finanzielle Risiko einzugehen, im Gegenzug verhältnismäßig hohe Prämien für eine Berufsunfähigkeitsversicherung verlangen müssten. Die staatlich geförderten BU-Tarife könnten sogar dreimal so viel kosten, wie die nicht geförderten Tarife. 

  • Welcher Höchstbetrag gilt für die Berufsunfähigkeitszusatzversicherung?

Eine Berufsunfähigkeitszusatzversicherung (BUZ) wird als Police immer in Kombination mit einer anderen Versicherung abgeschlossen, etwa einer privaten Rentenversicherung oder einer Risikolebensversicherung. Wird eine staatlich zertifizierte Rürup-Rente (Basisrente) mit einem privaten BU-Schutz kombiniert, so gilt die BUZ als Basisversorgung im Alter (Altersvorsorgeaufwendungen) und wird staatlich gefördert. 

Zu den Basisvorsorgeaufwendungen zählen auch Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung und die private oder betriebliche Altersvorsorge. Insgesamt sind für das Jahr 2016 bis zu 82 Prozent des Höchstbetrags von 22.766 Euro (Einzelpersonen) beziehungsweise 45.532 Euro (Ehepartner bei Zusammenveranlagung) von der Steuer absetzbar. Die Absetzbarkeit steigt jährlich um zwei Prozentpunkte und bis zum Jahr 2025 auf 100 Prozent. Bedingung für diese steuerliche Vergünstigung bei der Basisrenten-BUZ ist allerdings, dass über 50 Prozent der Beitragszahlungen für die Altersvorsorge eingesetzt werden.

Rente aus der Berufsunfähigkeitsversicherung in der Steuererklärung

Ob auf die Berufsunfähigkeitsrente Steuern fällig werden, ist zunächst abhängig vom Grundfreibetrag. Dieser berücksichtigt das notwendige Existenzminimum, das jedem Bürger der Bundesrepublik steuerfrei gewährleistet wird. Der Steuerfreibetrag lag für das Jahr 2015 bei 8.472 Euro für Einzelpersonen beziehungsweise 16.944 Euro für Ehepartner bei Zusammenveranlagung. Für das Steuerjahr 2016 beträgt er 8.652 Euro (Einzelpersonen) beziehungsweise 17.304 Euro (Ehepartner bei Zusammenveranlagung). 

Wer im Jahr Einkünfte bis zu diesem Grundfreibetrag bezieht, muss keine Steuern zahlen. Wenn die Einkünfte inklusive der Berufsunfähigkeitsrente den Steuerfreibetrag von 8.652 Euro pro Jahr übersteigen, müssen hingegen Steuern an das Finanzamt abgeführt werden. 

  • Wie wird die selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung versteuert?

Bei der SBU werden nicht die vollständigen Berufsunfähigkeitsversichung Leistungen versteuert, sondern lediglich der Ertragsanteil, das heißt ein bestimmter Prozentsatz der BU-Rente. Wie hoch dieser Anteil ausfällt, ist abhängig von der Rentendauer. Je länger die Berufsunfähigkeitsrente bezogen wird, desto höher ist auch der Ertragsanteil. Mit jedem Bezugsjahr steigt er um circa 1 Prozent. Die folgende Tabelle stellt beispielhaft dar, wieviel Prozent der BU-Rente abhängig von der Bezugsdauer versteuert werden müssen: 

Rentendauer Ertragsanteil
3 Jahre 2 Prozent
5 Jahre 5 Prozent
10 Jahre 12 Prozent
20 Jahre 21 Prozent
30 Jahre 30 Prozent
45 Jahre 42 Prozent
  • Wie wird die Berufsunfähigkeitszusatzversicherung versteuert?

Die Berufsunfähigkeitsrente aus einer SBU wird nur zu einem gewissen Teil versteuert, dem Ertragsanteil. Bei der BUZ muss die BU-Rente jedoch unabhängig von der Rentendauer, sondern abhängig vom individuellen Steuersatz versteuert werden. Dieser liegt oftmals über dem Ertragsanteil. 

Beispiel: Eine berufsunfähige Person hat inklusive der Rente im Rahmen der Berufsunfähigkeitsversicherung ein Bruttojahreseinkommen von 30.000 Euro. Bezieht sie im zehnten Jahr Leistungen aus einer BUZ werden entsprechend ihrem individuellen Steuersatz ca. 18,5 Prozent an Steuern fällig. Bezieht sie für denselben Zeitraum hingegen die Rente aus einer selbständigen Berufsunfähigkeitsversicherung, so zahlt sie nur etwa 12 Prozent an Steuern.

Insgesamt sind die steuerlichen Vorteile bei der BUZ also relativ: Während noch Beiträge eingezahlt werden, lassen sich aufgrund des höheren Maximalbetrags mehr Steuern sparen als bei der SBU. Kommt es allerdings zur Rentenzahlung, so werden mit der BUZ gegebenenfalls mehr Steuern fällig als mit der SBU.

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