Ein Arbeitszeugnis, in dem du benachteiligt wirst, kann sich bei deinem weiteren beruflichen Weg als Stolperstein erweisen. Generell hast du das Recht auf eine faire Beurteilung, die dich beruflich voranbringt. Zur Not musst du dieses Recht vor Gericht einklagen.
Rechtskosten absichernArbeitszeugnis prüfen lassen Warum du bei deinem Arbeitszeugnis genau hinschauen solltest
Kurzer Themenabriss gefällig?
Arbeitszeugnis prüfen lassen – das musst du darüber wissen
Wahrheitsgemäß und wohlwollend – so muss ein Arbeitszeugnis klingen. Dass sich hinter den schönen Floskeln heftige Kritik am Mitarbeiter verbergen kann, ist den meisten Leuten bereits klar.
Bist du dir unsicher, ob dein Arbeitszeugnis oder auch dein Zwischenzeugnis gut oder schlecht ist? Dann kannst du dein Arbeitszeugnis prüfen lassen. Auf dieser Ratgeberseite erfährst du, an wen du dich wenden kannst und was diese Dienstleistung kostet.
5 Fakten, warum ein gutes Arbeitszeugnis für dich wichtig ist:
- Das Arbeitszeugnis ist eine Bewertung deines Arbeitgebers über deine Arbeitsweise, Fachkenntnisse und deine sozialen Fähigkeiten (soft skills).
- Eine mangelhafte Bewertung ist ein Stolperstein für deinen weiteren beruflichen Weg.
- Deshalb solltest du deine Beurteilung unbedingt kritisch prüfen lassen, nachdem du sie erhalten hast.
- Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht hilft dir dabei, unzulässige Formulierungen zu erkennen und gibt dir Empfehlungen für die nächsten Schritte.
- Fordere eine Korrektur bei deinem früheren Arbeitgeber, denn du hast das Recht, ein faires Arbeitszeugnis zu bekommen.
Gib dir selbst ein beruhigendes Gefühl.
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Die wichtigste Frage zuerst
Das Arbeitszeugnis prüfen lassen: Wer macht das und was kostet es?
Das Arbeitszeugnis ist ein wichtiges Dokument, das du von deinem Arbeitgeber bekommst, wenn dein Arbeitsverhältnis endet. Deine neuen Arbeitgeber interessieren sich in der Regel sehr für diese Einschätzung deiner Arbeitsweise. Daher ist es wichtig, dass du in der Beurteilung rund herum einen positiven Eindruck vermittelst.
Hast du beim Lesen Zweifel, ob dich dein Arbeitgeber fair eingeschätzt hat oder ob Informationen fehlen, solltest du dein Arbeitszeugnis prüfen lassen. Weil dabei der Teufel im Detail steckt, ist es empfehlenswert, wenn du dir dafür fachliche Unterstützung holst:
- Im Internet findest du zahlreiche Angebote von Zeugnisberatern, die für etwa 20 Euro bis 80 Euro eine Einschätzung von Basic bis Premium vornehmen.
- Bist du Mitglied in einer Gewerkschaft wie ver.di, kannst du dort eine kostenlose Zeugnisberatung in Anspruch nehmen.
- Eine rechtliche Prüfung nimmt auch ein Fachanwalt für Arbeitsrecht vor.
Rechtliche Prüfung: Damit du im Streitfall auf der sicheren Seite bist
Der Anwalt checkt, ob sich in deiner Beurteilung Informationen verstecken, die rechtlich nicht gestattet sind. Die Kosten dafür hängen von den Vereinbarungen ab. Entweder er vereinbart mit dir eine Honorarzahlung mit einem bestimmten Stundensatz. Oder er rechnet die Kosten nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) ab. Dieser Regelung zufolge kostet eine Beratung beim Fachanwalt bis zu 190 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer.
Einfacher und kostengünstiger ist es, wenn du eine Arbeitsrechtsschutzversicherung hast. Je nach Versicherer gehört die Prüfung von Verträgen und Dokumenten sogar zu den Serviceleistungen dieser Absicherung. Außerdem erhältst du Kontakt zu einem Fachanwalt, der dich dabei unterstützt, dein Recht auf ein faires Arbeitszeugnis durchzusetzen, zur Not auch gerichtlich. Die Kosten dafür übernimmt deine Rechtsschutzversicherung.
Wir behalten deine Daten für uns, versprochen.
Was steht wirklich in deinem Zeugnis?
Wie erkenne ich, ob mein Arbeitszeugnis gut oder schlecht ist?
Es gibt zwei Kriterien, nach denen du dein Arbeitszeugnis abklopfen musst:
- Vollständigkeit: Sind alle Bestandteile und Informationen enthalten?
- Formulierungen: Mit welchen Worten werden meine Leistungen beschrieben?
Checkliste: Was muss im Arbeitszeugnis stehen?
Was alles ins Zeugnis reingehört, hängt auch davon ab, um welche Art Arbeitszeugnis es sich handelt: einfach oder qualifiziert. Das einfache Zeugnis beschränkt sich auf wenige Angaben wie Daten zur Person, den Tätigkeitsbereich und die Schlussformel. Arbeitgeber nutzen diese Kurzversion für Mitarbeiter, die nicht lange für das Unternehmen tätig waren, zum Beispiel Praktikanten.
Bist du langjähriger Mitarbeiter, forderst du ein qualifiziertes Arbeitszeugnis. Dieses umfasst eine ausführliche Beschreibung deiner Leistungen. Das Zeugnis ist ein formelles Dokument. Daher muss es schriftlich vorliegen und auf Firmen-Briefpapier gedruckt sein.
Bei der Prüfung des Dokuments solltest du hinter diese Punkte ein Häkchen machen können:
- Formalien wie Ort, Datum, Adresse des Arbeitgebers, dein vollständiger Name und
- Geburtsdatum sowie der Zeitraum, in dem du im Unternehmen beschäftigt warst
- Dein Tätigkeitsbereich mit allen Aufgaben, die du verantwortet hast
- Die Beurteilung deiner Leistungen inklusive der Einschätzung deiner Motivation, deines Arbeitsstils und deines Fachwissens
- Die Beurteilung deines Verhaltens gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden
- Eine Aussage zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses, aus der hervorgeht, von welcher Seite die Kündigung ausging
- Einer Danksagung mit Grußformel
Zur vollen Zufriedenheit ist nicht die beste Leistung
Die Formulierungen zu den Leistungs- und Sozialkomponenten in einem Arbeitszeugnis sind etwas für Kenner. Die Experten, die diesen Geheimcode täglich entschlüsseln, sitzen in den Personalbüros.
Es gibt einen Grund für diese Zeugnissprache: Das Bundesarbeitsgericht hat festgelegt, dass ein Arbeitszeugnis wahrheitsgemäß und wohlwollend sein muss. Der Arbeitgeber soll deine Leistungen objektiv einschätzen, darf dich dabei aber nicht schlecht reden. Also haben sich verschiedene Formulierungen durchgesetzt, die schön klingen, aber eine klare Bewertung sind.
Die Wortwahl in einem Arbeitszeugnis ist also kein Zufall. Die kleinste Silbe kann eine tiefe Bedeutung haben. Das bekannteste Beispiel ist die Bewertung, wie zufrieden der Arbeitgeber mit deiner Leistung war:
Das steht geschrieben: Sie arbeitete … | Das bedeutet es: |
… stets zu unserer vollsten Zufriedenheit. | Sehr gut |
… stets zu unserer vollen Zufriedenheit. | Gut |
… zu unserer vollen Zufriedenheit. | Befriedigend |
… zu unserer Zufriedenheit | Ausreichend |
… im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit. | Mangelhaft |
Darüber hinaus gibt es viele weitere Hinweise, mit denen der Arbeitgeber Lob, aber auch Kritik am ausscheidenden Mitarbeiter in schön klingenden Worten versteckt.
Für dich heißt das: Ein Arbeitszeugnis, das freundlich und wohlgesonnen klingt, ist nicht automatisch eine positive Beurteilung.
Ein besseres Zeugnis fordern
Was kannst du tun, wenn du mit deinem Arbeitszeugnis nicht einverstanden bist?
Meistens erhältst du zuerst einen Entwurf, den du überprüfst, bevor die Beurteilung als offizielles Dokument mit Stempel und Unterschrift fertiggestellt wird. Sollte das offizielle Dokument jedoch nicht deinen Erwartungen entsprechen, kannst du eine Korrektur einfordern. Der erste Ansprechpartner dafür ist dein früherer Arbeitgeber, insbesondere die Person, die das Arbeitszeugnis unterschrieben hat.
Sollte sich der Arbeitgeber weigern, berechtigte Mängel zu korrigieren, kannst du dir einen Anwalt an deine Seite holen und vor dem Arbeitsgericht deine Forderung einklagen.
Ein Recht auf Korrektur des Arbeitszeugnisses hast du. Ein Recht auf eine gute Bewertung gibt es im Gesetz natürlich nicht. Wenn du eine bessere Note als „Befriedigend“ einklagen willst, musst du dafür Belege liefern. Denn die Bewertung soll ja nicht nur wohlwollend sein, sondern auch der Wahrheit entsprechen.
Die Forderung, eine fehlende Schlussformel hinzuzufügen oder abzuändern, ist aus Sicht der Richter des Bundesarbeitsgerichts nicht rechtens (BAG Az. 9 AZR 227/11). Selbst wenn das Arbeitszeugnis dadurch auf zukünftige Arbeitgeber einen schlechteren Eindruck macht. Der Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, die Dankesformel und die Wünsche für die Zukunft zu verwenden.
Die Chance zur Zeugniskorrektur dauert nicht ewig
Selbst wenn du die letzte Beurteilung des Arbeitgebers nicht sofort brauchst, solltest du dir für die Korrekturwünsche nicht zu lange Zeit lassen. Spätestens fünf bis zehn Monate nach der Zeugnisübergabe solltest du dich mit deinem früheren Arbeitgeber zu diesem Thema in Verbindung setzen. Danach verfällt der Anspruch auf eine Anpassung des Arbeitszeugnisses, so entschied es das Landesarbeitsgericht Mainz (LG Mainz Az. 1 Sa 1433/01).
Mit einer Arbeitsrechtsschutzversicherung kannst du sowohl dein Arbeitszeugnis prüfen lassen und eine rechtliche Ersteinschätzung einer möglichen Klage vor dem Arbeitsgericht einholen. Solltest du einen Fachanwalt brauchen, sind die Kosten dafür über die Versicherung gedeckt. Gut, oder?
Hinterlass uns deine Kontaktdaten und wir rufen zurück.
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