Überstunden auszahlen Auszahlen lassen oder lieber abfeiern – Was lohnt sich bei Überstunden?

Ein wichtiges Projekt, ein hoher Krankenstand – manchmal musst du mehr arbeiten als der Vertrag vorsieht. Dann kannst du dir die Überstunden auszahlen lassen oder mehr Freizeit bekommen. Mehr Geld auf dem Konto klingt gut, ist aber nicht immer ein Vorteil.

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Kleiner Themenabriss gefällig?

Überstunden auszahlen lassen: Was musst du unbedingt wissen?

Überstunden kommen auf, wenn du mehr arbeitest als es in deinem Arbeitsvertrag vereinbart ist. Für die Zeiten, die du in Absprache mit deinem Arbeitgeber geleistet hast, kannst du eine Auszahlung oder einen Ausgleich durch Freizeit beanspruchen. Ob du die Überstunden auszahlen lassen kannst oder freie Zeit bekommst, hängt davon ab, was in deinem Vertrag vereinbart ist.

5 Fakten zum Thema Überstunden auszahlen

  1. Das Geld für Überstunden gilt als Einkommen und ist steuer- und sozialversicherungspflichtig.
  2. Durch den Mehrverdienst steigt dein Jahresgehalt, aber auch dein Steuersatz. Das bedeutet, es wird mehr Geld abgezogen.
  3. Du hast arbeitsrechtlich einen Anspruch auf Auszahlung der Überstunden, aber nicht auf Freizeit.
  4. Der Anspruch auf die Auszahlung von bestehenden Überstunden besteht auch bei Kündigung.
  5. Mit einer Arbeitsrechtsschutzversicherung hast du rechtliche Beratung und einen Rechtsanwalt an deiner Seite, falls es zum Rechtsstreit kommt.

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Die wichtigste Frage zuerst

Überstunden auszahlen lassen: Wann ist das möglich?

Überstunden fallen an, wenn du länger arbeitest als es in deinem Vertrag vereinbart ist. In manchen Branchen gehört diese Mehrarbeit dazu und ist im Arbeits- oder Tarifvertrag geregelt. In der Regel ist in einem solchen Arbeitsvertrag auch festgeschrieben, wie viele Überstunden erlaubt sind und ob und wann der Arbeitgeber sie vergütet.

Laut Arbeitsrecht muss der Arbeitgeber nur die Überstunden auszahlen, die er

  • angeordnet oder
  • geduldet hat oder
  • die notwendig waren, um das Arbeitspensum zu schaffen (etwa wegen Personalmangel durch hohen Krankenstand).

Es geht also nur um längere Arbeitszeiten, die mit dem Arbeitgeber abgesprochen oder betriebsnotwendig sind.

Solltest du freiwillig länger arbeiten als nötig, kannst du dafür keine Vergütung erwarten.

Was springt heraus für eine Überstunde?

Auszahlen von Überstunden: Wie wird die Höhe der Vergütung berechnet?

Sind Überstunden im Arbeits- oder Tarifvertrag vereinbart, ist darin meist geregelt, ob dieser Mehraufwand vergütet oder durch Freizeit ausgeglichen wird. Zum Teil werden für die Bezahlung von Überstunden auch Zuschläge vereinbart, etwa in Tarifverträgen.

Den Bruttostundenlohn ermitteln

Gibt es keine besondere Regelung, orientiert sich die Bezahlung der Überstunden an dem Arbeitsentgelt und den Arbeitsstunden, wie sie im Arbeitsvertrag festgehalten sind. Dazu wird der Bruttostundenlohn ermittelt.

Die übliche Berechnung erfolgt so:

  • Bruttostundenlohn = 3 x Bruttolohn : 13 : Anzahl der Wochenstunden

Dazu ein Beispiel: Sarah arbeitet Vollzeit, also 40 Stunden pro Woche, und verdient im Monat 3.000 Euro brutto.

  • 3 x 3.000 Euro : 13 : 40 = 17,31 Euro

Für jede Überstunde, die Sarah leistet, muss ihr der Arbeitgeber 17,31 Euro zahlen.

Achtung, Stolperfalle Steuer!

Für die Überstunden bezahlt zu werden, klingt im ersten Moment wie eine gute Idee. Denke dabei daran, dass von diesem Geld noch die Steuer und die Abgaben für die Sozialversicherungen abgehen.

Durch die Mehrarbeit erhöht sich außerdem dein Jahresverdienst. Das führt dazu, dass ein höherer Steuersatz vom Gehalt abgezogen wird. Mancher Angestellter, der sich über mehr Geld freut, ist am Ende enttäuscht, weil mit der höheren Vergütung auch die Abzüge ansteigen. Aufgrund dieser Steuernachteile bei der Auszahlung von Überstunden wählen einige Arbeitnehmer lieber den Freizeitausgleich anstatt das Geld.

Tipp: Es günstiger sein, wenn du dir Überstunden zeitnah mit dem nächsten Monatsgehalt auszahlen lässt, anstatt als Einmalzahlung am Ende des Jahres. Du musst jede geleistete Überstunde eindeutig nachweisen. Über einen kürzeren Zeitraum ist dies einfacher. Die Steuer fällt allerdings trotzdem an.

Unbezahlte Überstunden

Führungskräfte oder Angestellte mit einem Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung dürfen sich keine Überstunden auszahlen lassen, selbst wenn sie bis in die Nacht arbeiten. Sie werden jedoch nach Leistung bezahlt und nicht nach Arbeitsstunden.

Ein weiterer Grund dafür liegt in einem Urteil des Bundesarbeitsgerichtes (Aktenzeichen 5 AZR 406-10). Demnach ist die Bezahlung von Überstunden und Mehrarbeit ab einer bestimmten Gehaltsklasse unüblich.

Überstunden mit dem Gehalt abgelten – Ist das rechtens?

Mancher Arbeitsvertrag enthält Formulierungen wie „Erforderliche Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten.“ Vor dem Arbeitsgericht hat diese allgemeine Formulierung keinen Bestand. Im Vertrag muss genau stehen, um wie viele unbezahlte Überstunden es sich handelt. Aus arbeitsrechtlicher Sicht sind drei Überstunden pro Woche zu rechtfertigen. Weitere Überstunden muss das Unternehmen auszahlen.

Jenny Gebel
Jenny Gebel
Expertin für Rechtsschutzversicherungen

Lieber mehr Zeit, statt mehr Kohle

Freizeitausgleich: Keine Überstunden auszahlen, sondern abfeiern

Eine Alternative zur Vergütung der Überstunden mit Geld ist der Freizeitausgleich. Dies kann für Arbeitnehmer eine attraktivere Variante sein als das Auszahlen. Denn von der Freizeit haben sie mehr als von dem höheren Steuersatz, den der Mehrverdienst nach sich zieht.

Achtung: Der Überstundenabbau über einen Freizeitausgleich sollte vertraglich geregelt sein. Ohne Abstimmung mit deinem Arbeitgeber kannst du nicht nach eigenem Ermessen frei machen und Überstunden abbauen. Laut Gesetz kann der Arbeitgeber sogar bestimmen, wann du den Freizeitausgleich nehmen sollst (siehe Urteil des Bundesarbeitsgerichtes vom 19.05.2009, Aktenzeichen 9 AZR 433/08).

  • Arbeitsrechtlich gilt bei Überstunden: Ein Anspruch auf Freizeit besteht nicht, einer auf Bezahlung hingegen schon. Sollte es aus betrieblichen Gründen nicht möglich sein, dass der Arbeitnehmer freinehmen kann, muss das Unternehmen die Überstunden auszahlen. Auch, wenn der Mitarbeiter dies nicht wünscht.

Verfallen von Überstunden: Welche Fristen musst du beachten?

Oft ist im Arbeitsvertrag festgelegt, wie viele Überstunden du maximal aufbauen darfst und bis wann du sie abgebaut haben musst.

Darüber hinaus kann der Vertrag sogenannte Ausschlussfristen enthalten. Damit werden Zeiträume bestimmt, innerhalb derer du verschiedene Ansprüche geltend machen kannst, unter anderem auch die Überstunden. Verpasst du diese Frist, verfallen deine Überstunden.

Aufpassen & gut verhandeln

Geleistete Überstunden nach Kündigung auszahlen lassen

Nach einer Kündigung des Arbeitsverhältnisses ist der Arbeitgeber verpflichtet, spätestens bis zum Ausscheiden des Mitarbeiters die angeordneten oder geduldeten Überstunden zu bezahlen.

Sieht dein Arbeitsvertrag vor, dass der Überstundenabbau über Freizeitausgleich erfolgen kann, kannst du dies noch beanspruchen. Nur bei einer fristlosen Kündigung gibt es diese Option natürlich nicht.

Sind noch sehr viele Überstunden auf dem Arbeitskonto, müssen Arbeitnehmer und Arbeitgeber verhandeln: etwa darum, ob es möglich ist, Überstunden durch eine vorzeitige Freistellung auszugleichen. Dann unterschreibt der Mitarbeiter, der das Unternehmen verlässt, eine Ausgleichsquittung und verzichtet auf weitere Ansprüche.

Die Auszahlung der Überstunden einfordern

Am besten ist es natürlich, wenn du dich mit deinem Arbeitgeber trotz Kündigung gütlich einigen kannst. Sollte dies nicht der Fall sein, könnte der Fall eintreten, dass du einen Fachanwalt engagieren musst, um das Unternehmen aufzufordern, deine geleisteten Überstunden auszuzahlen. Der Anspruch auf die Auszahlung der Überstunden verjährt laut Gesetz nach drei Jahren.

 

Auf der sicheren Seite mit einer Arbeitsrechtsschutzversicherung

Mit einer Arbeitsrechtsschutzversicherung sorgst du für die richtige Unterstützung. Wichtig ist, dass du die Überstunden, die du dir erarbeitet hast, eindeutig nachweisen kannst. Dazu solltest du deine Arbeitszeiten erfassen und auch belegen können, dass dein Arbeitgeber von diesem Mehraufwand wusste.

Eine Arbeitsrechtsschutzversicherung bietet dir eine rechtliche Beratung und einen Rechtsanwalt. Das Wichtigste ist, dass sie die Kosten für Anwalt und Gericht übernimmt, falls es zu einem Rechtsstreit kommt. Das betrifft nicht nur das Thema Überstunden auszahlen, sondern auch Kündigung, Abmahnung und weitere Bereiche, in denen es im Job zu Unstimmigkeiten kommen kann.

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Zuletzt aktualisiert am: 23.11.2022

Autor des Beitrags

Jenny Gebel
Expertin für Rechtsschutzversicherungen