Gründerinnen

Gründerinnen im Portrait: 

Mit Beratung, Förderung und Vorsorge zur eigenen Chefin

Die Zahl der Frauen, die ein Unternehmen gründen, wächst. Allerdings ist eine Gründung für „Sie“ in der männlich dominierten Szene häufig nicht einfach. Darum hat es sich die Gründerinnenzentrale in Berlin zur Aufgabe gemacht, frauenspezifische Förderung zu betreiben und zentrale Fragen von Gründerinnen zu beantworten.

Frauen haben häufig eine andere Erwerbsbiografie als Männer: Sie müssen in vielen Fällen neben der Selbstständigkeit eine Familie managen und gründen deshalb verhältnismäßig oft in Teilzeit. Nicht nur dann spielt Altersvorsorge eine entscheidende Rolle. Denn viele Frauen gründen eher im kleinen Stil und haben meist zu wenig Geld, um sich um ihre Altersvorsorge zu kümmern. Für ihr Rentenalter kann das verheerende Folgen haben. Antje Ripking, Projektleiterin von der Gründerinnenzentrale, berichtet im Interview, was Gründerinnen beschäftigt, welche Fragen sie haben, welche Sorgen sie gegebenenfalls von einer Gründung abhalten und wie sie Frauen zum Gründen motiviert.

Frauenspezifische Förderung: Persönliche Beratung ist wichtig

Die Lebens- und Erwerbsbiografie von Unternehmensgründerinnen sind selbstverständlich sehr unterschiedlich. Doch es gibt einige Sorgen, Ängste und Probleme, mit denen sich vornehmlich Frauen beschäftigen müssen. „Nach wie vor sind es leider zumeist die Frauen, die Familie und Beruf unter einen Hut bringen müssen. Dies hat wirtschaftliche Auswirkungen auf ihr ganzes Leben. So entscheiden sie sich häufig für eine nebenberufliche Selbständigkeit, die finanziell weniger einbringt, geben weniger für die Altersvorsorge aus, was sich dann im Alter wiederum auf Rente und so weiter auswirkt“, erklärt Ripking. Durch diese strukturelle Benachteiligung benötigen Gründerinnen eine spezifische Beratung, die ihre individuellen Lebensrealitäten berücksichtigt. Dabei geht es sowohl um die Auswertung der Geschäftsideen als auch um die richtige Finanzierung, Versicherungen und Vorsorge fürs Rentenalter.

Der Andrang nach Beratung in der Gründerinnenzentrale ist sehr hoch: „Die Nachfrage steigt seit unserer Gründung 2006 kontinuierlich. Mittlerweile haben wir ungefähr 1.700 Anfragen pro Jahr und über 600 Frauen nehmen zusätzlich an unseren (Netzwerk)Veranstaltungen teil“, so Ripking.

Gründerinnen - Antje Ripking
Antje Ripking ist Projektleiterin der Gründerinnenzentrale

Gründerinnen: Kleine Kredite sind schwer zu bekommen

Die Gründerinnenzentrale setzt sich dafür ein, Frauen ebenso am gesellschaftlichen Wohlstand teilhaben zu lassen wie Männer. Um dieses Ziel zu erreichen, versucht sie Ungleichbehandlung in der Wirtschaftsförderung auszugleichen. Die Gründerinnenzentrale verweist Interessierte beispielsweise an die bundesweit tätige Frauenfinanzierungsorganisation Goldrausch e.V. Der Verein vergibt auch geringe Fördersummen in Form von Kleinstkrediten für Existenzgründungen. Wie wichtig das ist, zeigen Zahlen: „Rund 80 Prozent der Frauen gründen mit einem Kapitalbedarf von bis zu 5.000 Euro. Gerade solche Summen sind aber auch heute noch schwer zu bekommen, weil sie sich für die Banken nicht lohnen“, erklärt Ripking.

Gründerinnenzentrale: „Wir arbeiten mit vielen Fachfrauen zusammen“

Frauen benötigen in mancherlei Hinsicht eine andere Beratung als Männer. Das liegt nicht etwa an unterschiedlichen Fähigkeiten, sondern vielmehr an häufig unterschiedlichen Lebenssituationen. Die Gründerinnenzentrale dient als Erstanlaufstelle für Gründungsinteressierte. Dort können Frauen mit Gleichgesinnten in Kontakt treten und sich zu Erfahrungen sowie Problemen austauschen. Gründungserfahrene helfen unter anderem dabei, Gründungsideen zu durchdenken und zu konkretisieren. Darüber hinaus vermittelt die Gründerinnenzentrale bei Bedarf auch an weitere frauenfreundliche und empfehlenswerte Institutionen und Beratungseinrichtungen. „Wir arbeiten mit Existenzgründungsberaterinnen, mit (Web-)Designerinnen, Coaches, Mediatorinnen, Versicherungs- und Finanzfachfrauen sowie mit Rechtsanwältinnen zusammen“, so Ripking.

Altersarmut bei Frauen: Ist Vorsorgepflicht eine Lösung?

Die Anfangszeit während der Existenzgründung kostet meist viel Geld. „Da die Kosten für Kranken- und Sozialversicherung enorm hoch sind, vernachlässigen viele Gründerinnen häufig zunächst die Altersvorsorge“, berichtet die Expertin aus der Praxis. Dennoch hat sie eine zwiegespaltene Meinung zu einer Altersvorsorgepflicht. Denn „so wie die Sozialversicherungssysteme im Augenblick für Selbständige aussehen, halte ich eine Vorsorgepflicht für viele Gründerinnen schwer umsetzbar. Sie können ja jetzt schon kaum die Kosten für die anderen Versicherungen tragen. Ich halte eine generelle Veränderung dieses Systems unter Umständen ähnlich wie bei der Künstlersozialkasse (KSK) für wünschenswert.“ Wer bei der KSK versichert ist, zahlt nur etwa die Hälfte seiner Beiträge aus eigener Tasche. Der übrige Teil wird unter anderem durch einen Bundeszuschuss finanziert. Selbstständige Frauen würden nach diesem Modell in etwa so viel Sozialversicherungs- und Krankenkassenbeiträge zahlen wie als Angestellte.

Gründerinnen - Infografik

Altersvorsorge: „Mindestens 10 Prozent des Einkommens sind ratsam“

Die Altersvorsorge ist ein ständiger und unbeliebter Begleiter von Selbstständigen. Dennoch sollten die Kosten für die spätere Rente keiner Gründungsidee im Weg stehen. Wie gut Gründerinnen im Ruhestand versorgt sind, hängt selbstverständlich von vielen Faktoren ab: Zeit, Anlage- und Geschäftserfolg spielen eine zentrale Rolle. Ein Patentrezept gibt es deshalb zwar nicht. Aber eine gute Altersvorsorgestrategie sollte nicht fehlen. Bei Finanzierungs- und Versicherungsfragen empfiehlt die Gründerinnenzentrale eine unabhängige Beratung von das finanzkontor.

Die dortige Versicherungsfachwirtin Birgit Wichert erklärt im Kurzinterview, dass eine Berufsunfähigkeitsversicherung in der ersten Phase der Gründung eine der sinnvollsten Vorsorgeformen für den Ernstfall ist. „Für eine Altersvorsorge ist am Anfang meist noch kein Geld vorhanden.“ Sie erklärt weiter: „Sobald das Geschäft läuft, können Gründerinnen beispielsweise mit der Rürup Rente gut fürs Alter vorsorgen und von den steuerlichen Vorteilen profitieren. Generell würde ich selbstständigen Frauen raten, genauso viel Geld zurückzulegen wie der Arbeitnehmeranteil für die gesetzliche Rentenversicherung beträgt, also etwa zehn Prozent ihres Einkommens. Sobald eine bestimmte Einkommenshöhe erreicht wird, müssen selbstverständlich keine 10 Prozent mehr in die Altersvorsorge fließen, sondern können anderweitig investiert werden.“

Erfolgreiche Gründerinnen im Portrait

Mit gutem Beispiel gehen die folgenden Frauen voran, die ihr eigenes Unternehmen gegründet haben. Sie haben unterschiedliche Lebensentwürfe und Geschäftsideen, Vorsorgestrategien und Ängste. Doch eines haben sie gemeinsam: Den Spaß an ihrer Arbeit.

Lea Lange (Juniqe): „Vorsorge und Versicherungen? Ich zahle 900 Euro monatlich“

Julia Sommerer und Franziska von der Ahé (Glutamat Kommunikation): „Mädels, macht Euch selbstständig!“

Freya Oehle (spottster): „Für die Rente versorgt? Derzeit nicht im Mindesten“

Franziska von Hardenberg (Bloomy Days): „Altersvorsorge? Da schwingt ehrlich gesagt ein ungutes Gefühl mit“

Aimie-Sarah Carstensen (FIELFALT): „Das Ziel ist, dass wir uns bald selbst abschaffen können“

Ute Blindert (Business Ladys): „Frauen müssen den Wandel mitgestalten, aktiv und laut“

Dr. Birte Gall (Berlin School of Digital Business): „Angst ist bei mir ein seltener Gast“

Miriam Wohlfarth (RatePAY): „Die finanzielle Seite meiner Gründung habe ich gut geplant“

Esther Eisenhardt (MomPreneurs): „Die traditionelle Arbeitswelt finde ich unflexibel, absurd und unzeitgemäß“

Anette Weiß (geldwert-finanz): „Die eigenen Finanzen durchblicken“

Sabine Hockling (Die Ratgeber): „Durchhalten und weitermachen“