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Pflegereform 2015: Es wird endlich konkreter

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat sich am Wochenende konkret zur geplanten Pflegereform geäußert. Pflegebedürftige sollen demnach nicht mehr in drei Pflegestufen, sondern in fünf Pflegegrade eingeteilt werden. Zudem verspricht Gröhe mehr Pfleger in Pflegeheimen und verbesserte Leistungen – alles finanziert über einen höheren Pflegebeitrag.
Pflegereform 2015: Neuer Pflegebedürftigkeits-Begriff geplant
Pflegereform 2015 verspricht mehr Leistungen für Pflegebedürftige

Man kann es nicht anders sagen: Endlich kommt die Bundesregierung mit der Pflegereform 2015 den Forderungen vieler Verbände und Experten nach. Diese haben seit langem einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff gefordert, der auch den Personen mit geistigen Einschränkungen, etwa durch Demenz, gerecht wird. Zwar erhalten Demenzkranke seit Anfang 2013 verbesserte Leistungen, doch bei der Einteilung in eine Pflegestufe werden derzeit nur körperliche Einschränkungen berücksichtigt. „Das ist zu einseitig“, erklärt Gesundheitsminister Gröhe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS). Daher sieht die Pflegereform 2015 vor, dass Pflegebedürftige künftig in fünf Pflegegrade eingestuft werden. So hat es beispielsweise auch der Pflegebeirat empfohlen.

Update 28. Mai 2014: Das Bundeskabinett hat die Pflegereform beschlossen. Zum 1. Januar 2015 sollen die Verbesserungen im Zuge des 1. Pflegestärkungsgesetzes bereits gelten, sondern der Bundestag in den kommenden Wochen seine Zustimmung erteilt.

Update 17. Oktober 2014: Ab heutigen Freitag hat der Bundestag die Pflegereform 2015 beschlossen.

Pflegereform: Pflegestufen durch Pflegegrade ersetzt

Auch Karl Lauterbach, der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, findet eine neue Definition von Pflegebedürftigkeit sinnvoll. Bisher gibt es für Menschen mit psychischen Einschränkungen „keine Berücksichtigung in der Pflegeversicherung, zumindest keine nennenswerte“, sagt der Politiker im Deutschlandfunk. Bereits in wenigen Tagen soll das neue Stufen-Modell getestet werden, um etwaige Fehler noch vor der Einführung zu beheben. Der Politiker fordert zudem, dass der sogenannte Betreuungsschlüssel überarbeitet werden muss. Er gibt an, wie viele Pflegekräfte für eine bestimmte Anzahl von Pflegebedürftigen gebraucht werden.

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Pflegereform 2015: Entlastung der Pflegekräfte geplant

Derzeit herrscht in Deutschland allerdings akuter Pflegenotstand. Gröhe sieht mit seiner Pflegereform vor, dass die Pflegekräfte durch eine Verdopplung der Betreuungskräfte stärker entlastet werden. Die Zahl der Beschäftigten soll sich von 20.000 auf 45.000 erhöhen. Zudem „müsse mit dem Pflegeberufsgesetz die Ausbildung attraktiver gemacht werden“, berichtet die FAS. Doch nicht nur eine höhere Anzahl von Pflegern ist bei immer mehr Pflegebedürftigen wichtig, erläutert Lauterbach. Auch die Arbeitsbedingungen müssen verbessert werden.

Pflegereform über höheren Pflegebeitrag finanziert

Bereits 2015 sollen sich die Leistungen für Pflegebedürftige um 2,4 Milliarden Euro verbessern, später um nochmals 2,4 Milliarden Euro. Dazu wird der Beitrag für die gesetzliche Pflegeversicherung in zwei Schritten um 0,5 Prozent angehoben. Damit erhöht sich das Leistungsvolumen um 20 Prozent, wie Gröhe im FAS-Interview mitteilt. Allerdings ist langfristig damit zu rechnen, dass die Pflege für die Beitragszahler noch teurer wird. Den SPD-Gesundheitsexperten Lauterbach selbst würde es „nicht überraschen, wenn der Beitragssatz für die Pflege bis zum Jahr 2050 sich im Vergleich zu heute verdoppeln würde.“ Er läge dann bei 4,1 Prozent, für Kinderlose etwas höher.

 

Risiken von Pflegekräften

Welchen Risiken Pflegekräfte dauerhaft ausgesetzt sind, welche Maßnahmen dagegen ergriffen werden können und wie der gesetzliche Schutz von überforderten Pflegern aussieht, darüber informiert aktuell unsere kostenlose Broschüre „Wenn Pflegen krank macht“.

Pflegeversicherung bleibt nur halber Schutz

Obwohl sich die Leistungen durch die Pflegereform deutlich verbessern sollen, müssen sich die Menschen weiterhin vor Augen führen, dass die gesetzliche Pflegeversicherung so ausgerichtet ist, dass sie lediglich für einen Teil der Pflegekosten aufkommt. Den weitaus größeren Anteil müssen jedoch die Pflegebedürftigen selbst beziehungsweise ihre Angehörigen zahlen. Bei durchschnittlichen Eigenanteil von 1.800 Euro im Monat in Pflegestufe III wird es immer wichtiger, frühzeitig mit einer privaten Pflegeversicherung vorzusorgen, um sich vor den immensen Pflegekosten zu schützen. Hier können Interessierte ein unverbindliches Angebot zur Pflegeversicherung anfordern.