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Unzufriedenheit steigt: Krankenkassen verärgern immer mehr Versicherte

Die gesetzlichen Krankenkassen stehen seit der Einführung des Zusatzbeitrags verstärkt unter Druck. Sie wollen lukrative Angebote liefern und zugleich Kosten senken. Dabei sparen sie oft an der falschen Stelle. So beschweren sich immer mehr Versicherte über schlechte Kassenleistungen. Viele sind außerdem unzufrieden mit ihrer Pflegeversicherung.
Einsparungen der Kassen verärgern die Versicherten zunehmend
Immer mehr Versicherte ärgern sich über ihre Krankenkassenleistungen

Seit Januar 2015 dürfen Krankenkassen einkommensabhängige Zusatzbeiträge erheben. Diese haben den Konkurrenzkampf zwischen den Anbietern verschärft. Entsprechend versuchen einige Kassen, besonders günstig zu sein und ihre Kosten bestmöglich zu reduzieren. Oft folgen daraus Einsparungen zulasten der Versicherten. Die wehren sich mit zahlreichen Beschwerden beim Bundesversicherungsamt. Auch im Bereich der Pflegeversicherung hat die Unzufriedenheit im letzten Jahr stark zugenommen.

Insgesamt 3.343 Mal haben sich Versicherte im letzten Jahr beim Bundesversicherungsamt über ihre gesetzliche Krankenkasse beschwert. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der gemeldeten Probleme in diesem Bereich um 22 Prozent gestiegen. Bei der Pflegeversicherung ist der Anstieg mit fast 60 Prozent sogar noch höher. Dort wurden im Jahr 2015 284 Beschwerden registriert.

Kassen lassen es auf Beschwerden ankommen

Die steigende Anzahl an Beschwerden lässt sich vor allem damit begründen, dass die Kassen Kosten sparen wollen. Die Daten des Bundesversicherungsamtes zeigen, dass sich die Probleme der Betroffenen in einigen Fällen recht einfach klären lassen. Das bedeutet, dass die Kassen beispielsweise in puncto Ausstattung mit Hilfsmitteln erst auf eine offizielle Beschwerde zu warten scheinen, bevor sie eine ausreichende Versorgung veranlassen.

Weiterhin haben einige Krankenkassen Zahlungen aus Bonusprogrammen zunächst verweigert, wenn ihnen bekannt war, dass der Versicherte seine Mitgliedschaft gekündigt hat. Als Grund gaben sie eine vermeintliche Gesetzesvorgabe an, die jedoch überhaupt nicht existiert, wie das Bundesversicherungsamt erläutert.

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An der falschen Stelle gespart: Zu wenige und zu schlechte Hilfsmittel

Bei den Versicherten sorgt insbesondere die Bereitstellung von Hilfs- und Heilmitteln für Ärger. Immer mehr Menschen beklagen sich darüber, entweder nicht genügend Hilfsmittel zu erhalten oder auf den Kosten sitzen zu bleiben. So lässt vor allem die Versorgung mit Inkontinenz-Hilfsmitteln zu wünschen übrig. Neben der Menge bemängeln viele Betroffene die Qualität der Produkte. Darüber berichtet auch die Sendung ARD Plusminus. Als Beispiel nennt sie das Vorgehen der DAK, die immer wieder den Lieferanten von Inkontinenzwindeln wechselt. Engpässe oder gar Lieferstopps werden dabei billigend in Kauf genommen.

Um die Kassen dazu zu bringen, sich bei den Hilfsmitteln künftig an Qualitätsstandards zu halten, hat die Bundesregierung das sogenannte Gesetz zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelversorgung auf den Weg gebracht. Da Versicherte zudem oft nicht aufgeklärt werden, wie sie Zuzahlungen verhindern können, bezeichnet das Bundesversicherungsamt auch das Informationsmanagement der Kassen als „optimierungsbedürftig“.