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Lohnt sich die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbständige?

Mit der Arbeitslosenversicherung können sich auch Selbständige bei einem Scheitern der Selbständigkeit schützen. Doch viele freiwillig versicherte Selbständige entscheiden sich gegen den Schutz, da sich vor einigen Jahren die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung für sie verdoppelt haben. Für Existenzgründer kann die freiwillige Arbeitslosenversicherung aber sinnvoll sein.
Freiwillge Arbeitslosenversicherung für manche sinnvoll
Arbeitslosenversicherung: Selbständige müssen nicht verzweifeln

Die Arbeitslosenversicherung schützt nicht nur Menschen in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. Ebenso wie bei der gesetzlichen Krankenversicherung oder Rentenversicherung besteht auch für Selbständige die Möglichkeit auf eine freiwillige Absicherung bei der Arbeitslosenversicherung. Diese zahlt dann, wenn die Selbständigkeit scheitert und stellt so insbesondere für Existenzgründer, die nicht wissen, ob sie dauerhaft Erfolg haben werden, einen sinnvollen Schutz dar. Seit einigen Jahren kehren jedoch immer mehr freiwillig versicherte Selbständige der Versicherung den Rücken. Denn in den Jahren 2011 bzw. 2012 wurden die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung für sie verdoppelt.

Wie funktioniert die freiwillige Arbeitslosenversicherung?

Selbständige können unter bestimmten Voraussetzungen innerhalb der ersten drei Monate einer neuen Selbständigkeit eine freiwillige Weiterversicherung in der Arbeitslosenversicherung beantragen. Dazu müssen sie beispielsweise entweder zuvor Arbeitslosengeld oder eine andere Entgeltersatzleistung bezogen haben oder in den vorangegangenen 24 Monaten mindestens zwölf Monate pflichtversichert gewesen sein.

Die Beiträge zur freiwilligen Arbeitslosenversicherung belaufen sich auf drei Prozent der geltenden Bezugsgröße. Im Jahr 2015 liegt diese bei 2.835 Euro pro Monat (alte Bundesländer) bzw. 2.415 Euro (neue Bundesländer). Somit müssen Selbständige 85,06 Euro bzw. 72,46 Euro pro Monat in die freiwillige Arbeitslosenversicherung einzahlen. Gründer zahlen in den ersten zwei Jahren einen reduzierten Beitrag von 42,52 Euro bzw. 36,23 Euro.

 

Wann können Selbständige Arbeitslosengeld beziehen und in welcher Höhe?

Als freiwillig versicherter Selbständiger kann Arbeitslosengeld beantragt werden, wenn die Selbständigkeit scheitert. Mit dem Bezug des Arbeitslosengelds stellt man sich dabei wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Das bedeutet einerseits, dass sich ehemals Selbständige ebenso wie arbeitslos gewordene Arbeitnehmer aktiv um eine neue Beschäftigung bemühen müssen. Andererseits sind sie verpflichtet, eine zumutbare Beschäftigung anzunehmen, wenn diese vom Arbeitsamt vermittelt wird. Ansonsten wird das Arbeitslosengeld gekürzt.

Wie hoch das Arbeitslosengelt für freiwillig Versicherte ausfällt, lässt sich nicht pauschal sagen. Zur Berechnung der Ansprüche wird ein fiktives Arbeitsentgelt angenommen, das sich an der Art der Beschäftigung bemisst, auf die nun vermittelt werden soll, und die dafür notwendigen Qualifikationen. Daraus ergeben sich Richtwerte. Die tatsächliche Höhe der Bezüge kann jedoch abweichen. Im Jahr 2014 betrug das monatliche Arbeitslosengeld für Bürger aus den alten Bundesländern je nach Ausbildungsgrad zwischen 786,30 Euro und 1.389,30 Euro. Unabhängig davon, wie hoch die Bezüge tatsächlich ausfallen, dürfen bis zu 165 Euro monatlich hinzuverdient werden.

Für welche Selbständigen ist die Arbeitslosenversicherung sinnvoll?

Ob die freiwillige Arbeitslosenversicherung sinnvoll ist, muss jeder Selbständige am Beginn seiner Existenzgründung selbst entscheiden. Insbesondere Menschen mit einem geringen Ausbildungsgrad müssen jedoch bedenken, dass ihre Bezüge bei Scheitern der Selbständigkeit kaum über den Leistungen des Arbeitslosengelds II liegen. Wer bereits etabliert ist und sich dennoch finanziell absichern möchte bzw. auch mal mit einer längeren Auftragsflaute rechnen muss, kann als Alternative auch ganz klassischen Aufbau von Vermögen betreiben, das sich später gegebenenfalls zur Altersvorsorge nutzen lässt. Da bei der Rürup Rente eine Kündigung nur bedingt möglich ist, bevor das Rentenalter erreicht wurde, empfiehlt es sich stattdessen beispielsweise monatlich in einen Fondssparplan zu investieren, um Rücklagen für Arbeitslosigkeit oder das Alter aufzubauen.

Gesetzeslücke ermöglicht Ausstieg auch ohne Kündigungsfrist

Wer sich bereits für die freiwillige Arbeitslosenversicherung entschieden hat, kann diese theoretisch frühestens nach fünf Jahren kündigen. Allerdings erlischt die Versicherung automatisch, wenn der Selbständige drei Monate mit seinen Versicherungsbeiträgen in Verzug ist. In der Vergangenheit haben viele Selbständige diese Gesetzeslücke genutzt, um der freiwilligen Arbeitslosenversicherung den Rücken zu kehren.