Mann und Frau verschränken Arme
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Lebensversicherung: Garantiezins fällt 2022 auf 0,25 Prozent

Nachdem das Finanzministerium im vergangenen Jahr darauf verzichtet hat, den Garantiezins abzusenken, deutet sich nun eine Anpassung an. Demnach soll der Höchstrechnungszins zum 1. Januar 2022 von 0,9 Prozent auf 0,25 Prozent fallen – wie von der Deutschen Aktuarvereinigung empfohlen. In einigen Tarifen arbeiten die Versicherer bereits auf diesem Niveau, so Frank Grund von der Finanzaufsicht.

Zuletzt aktualisiert: 27. April 2021

  • 2022 sinkt der Garantiezins auf 0,25 Prozent.
  • Dies kommt einer Reduzierung um 0,65 Prozentpunkte gleich.
  • Viele Versicherer orientierten sich der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zufolge mit ihrem Garantiezins unter dem bisher möglichen Niveau.

4 Prozent, 3,25 Prozent, 2,75 Prozent, 2,25 Prozent, 1,75 Prozent, 0,9 Prozent – Diese Zahlen geben die Höhe des Garantie- beziehungsweise Höchstrechnungszinses der letzten 21 Jahre wieder. Im kommenden Jahr liegt der Garantiezins mit 0,25 Prozent fast bei Null. Eine entsprechende Änderung wurde nun im Bundesgesetzblatt veröffentlicht.

Damit folgt das Finanzministerium der Empfehlung der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV). Im vergangenen Jahr zögerte das Ministerium die Entscheidung so lange hinaus, bis es zu einer Anpassung zum Jahreswechsel zu spät wurde.

Ob eine Vorgabe seitens der Politik überhaupt noch notwendig gewesen ist, durfte mit Blick auf die Neuverträge 2021 in Frage gestellt werden.

Umgang mit dem Garantiezins: Finanzaufsicht zufrieden mit Versicherern

Für dieses Jahr hat die Finanzaufsicht BaFin die Versicherer im Vorfeld angehalten, ihre Zinsgarantien anhand ihrer Risikofähigkeit und Ertragskraft genau zu kalkulieren. Nun begrüßt die Behörde, „dass die Niedrigzinsen bei der Ausgestaltung vieler Neuverträge für 2021 berücksichtigt wurden“, so Frank Grund, Chef der Versicherungsaufsicht, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Viele Versicherer konzentrieren sich im Neugeschäft inzwischen auf Tarife, deren Garantieniveau deutlich unter dem von klassischen Policen mit 0,9 Prozent Rechnungszins liegt.“

Abkehr von Beitragsgarantie: „Kunden sind per se nicht schlechter dran“

Bei einigen Tarifen betrage der Garantiezins 0,25 Prozent, viele Versicherer hätten sich zudem im Neugeschäft von Verträgen mit klassischem Garantiezins verabschiedet, erläutert Grund.

Einige Anbieter sind sogar dazu übergegangen, keine vollständige Beitragsgarantie anzubieten, außer für die Riester-Rente und betriebliche Altersvorsorge. Für Grund ist dies zunächst keine generell schlechte Entwicklung für Verbraucher. Denn wenn es weniger Garantie gibt, hätten die Versicherer mehr Freiheit bei der Anlage am Kapitalmarkt. „Das kann die Chance auf höhere Renditen eröffnen, von denen auch die Kunden über die Überschussbeteiligung profitieren.“

Zu den Versicherern, die keine volle Beitragsgarantie mehr für eine Reihe ihrer Produkte anbieten, zählen:

  • Allianz
  • R+V
  • Alte Leipziger

Absenkung des Garantiezinses 2022 geboten

Die letzten beiden Absenkungen des Garantiezinses 2015 und 2017 beschloss das Finanzministerium im Mai des Vorjahres. Für die Aktuare gab es bei der aktuellen Entscheidung keinen Spielraum: „Das Zinsniveau ist 2020 noch einmal deutlich gesunken und es gibt große Unsicherheiten über die weiteren Kapitalmarktentwicklungen. Daher ist eine Absenkung des Höchstrechnungszinses für Neuverträge ab 2022 geboten.“

Riester-Rente vor dem Ende?

Für die Riester-Rente könnte der gesunkene Garantiezins den Sargnagel bedeuten: „Wenn der Höchstrechnungszins abgesenkt wird und gleichzeitig die 100-Prozent-Beitragsgarantie erhalten bleibt, gibt es ab 2022 große Probleme, die zu einer De-facto-Beerdigung der Riester-Rente führen würden”, so Jörg Asmussen, Geschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft. Er plädiert daher dafür, bis zur Bundestagswahl zumindest eine Teilreform der Riester-Rente umzusetzen.