Mann und Frau verschränken Arme
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Lebensversicherung: Fällt der Garantiezins 2022 auf 0,25 Prozent?

Nachdem das Finanzministerium im vergangenen Jahr darauf verzichtet hat, den Garantiezins abzusenken, empfiehlt die Deutsche Aktuarvereinigung eine Anpassung zum 1. Januar 2022 – auf 0,25 Prozent. In einigen Tarifen arbeiten die Versicherer bereits auf diesem Niveau, so Frank Grund von der Finanzaufsicht.

  • 2022 müsse der Garantiezins auf 0,25 Prozent sinken, empfiehlt die Deutsche Aktuarvereinigung.
  • Dies käme einer Reduzierung um 0,65 Prozentpunkte gleich.
  • Viele Versicherer orientieren sich der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zufolge mit ihrem Garantiezins unter dem aktuell möglichen Niveau.

4 Prozent, 3,25 Prozent, 2,75 Prozent, 2,25 Prozent, 1,75 Prozent, 0,9 Prozent – Diese Zahlen geben die Höhe des Garantie- beziehungsweise Höchstrechnungszinses der letzten 21 Jahre wieder. Im kommenden Jahr könnte der Garantiezins mit 0,25 Prozent fast bei Null liegen, wenn das Finanzministerium dieses Mal der Empfehlung der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) folgt. Im vergangenen Jahr zögerte das Ministerium die Entscheidung so lange hinaus, bis es zu einer Anpassung zum Jahreswechsel zu spät wurde.

Ob allerdings eine Vorgabe seitens der Politik noch notwendig ist, darf mit Blick auf die Neuverträge 2021 in Frage gestellt werden.

Umgang mit dem Garantiezins: Finanzaufsicht zufrieden mit Versicherern

Für dieses Jahr hat die Finanzaufsicht BaFin die Versicherer im Vorfeld angehalten, ihre Zinsgarantien anhand ihrer Risikofähigkeit und Ertragskraft genau zu kalkulieren. Nun begrüßt die Behörde, „dass die Niedrigzinsen bei der Ausgestaltung vieler Neuverträge für 2021 berücksichtigt wurden“, so Frank Grund, Chef der Versicherungsaufsicht, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Viele Versicherer konzentrieren sich im Neugeschäft inzwischen auf Tarife, deren Garantieniveau deutlich unter dem von klassischen Policen mit 0,9 Prozent Rechnungszins liegt.“

Abkehr von Beitragsgarantie: „Kunden sind per se nicht schlechter dran“

Bei einigen Tarifen betrage der Garantiezins 0,25 Prozent, viele Versicherer hätten sich zudem im Neugeschäft von Verträgen mit klassischem Garantiezins verabschiedet, erläutert Grund.

Einige Anbieter sind sogar dazu übergegangen, keine vollständige Beitragsgarantie anzubieten, außer für die Riester-Rente und betriebliche Altersvorsorge. Für Grund ist dies zunächst keine generell schlechte Entwicklung für Verbraucher. Denn wenn es weniger Garantie gibt, hätten die Versicherer mehr Freiheit bei der Anlage am Kapitalmarkt. „Das kann die Chance auf höhere Renditen eröffnen, von denen auch die Kunden über die Überschussbeteiligung profitieren.“

Zu den Versicherern, die keine volle Beitragsgarantie mehr für eine Reihe ihrer Produkte anbieten, zählen:

  • Allianz
  • R+V
  • Alte Leipziger

Absenkung des Garantiezinses 2022 geboten

Die letzten beiden Absenkungen des Garantiezinses 2015 und 2017 beschloss das Finanzministerium im Mai des Vorjahres. Entsprechend bleibt abzuwarten, ob und wann es der DAV-Empfehlung folgen wird. Für die Aktuare gibt es dabei keinen Spielraum: „Das Zinsniveau ist 2020 noch einmal deutlich gesunken und es gibt große Unsicherheiten über die weiteren Kapitalmarktentwicklungen. Daher ist eine Absenkung des Höchstrechnungszinses für Neuverträge ab 2022 geboten.“