Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Rettet slowakischer Anbieter die Europarente vor Bedeutungslosigkeit?

Die Europäische Union hat mit der Europarente PEPP im März 2022 ein Vorsorgeinstrument ins Leben gerufen, mit dem die Altersvorsorge länderübergreifend möglich sein soll. Bislang fehlte es allerdings an Angeboten. Mit einem slowakischen Fintec ändert sich dies nun. Beginnt damit der Durchmarsch der Europarente?

  • Die Europarente war bisher nicht mehr als ein theoretisches Konstrukt.
  • Bei einem Fintec in der Slowakei können Interessierte nun Europarente-Tarife abschließen.
  • Fraglich bleibt, wie viele weitere Anbieter folgen werden.

Jedem dürfte klar sein: Um im Alter nicht von Sozialleistungen abhängig zu sein, muss etwas für die Rente getan werden. Doch längst nicht jedes Vorsorgeprodukt passt zum eigenen Leben. Mit PEPP (Pan-European Pension Plan) hat die EU eine europaweite Altersvorsorgeoption auf den Weg gebracht, die sich vor allem an mobile Europäer richtet. Ihre private Altersvorsorge soll nicht an Ländergrenzen gebunden sein, sondern problemlos bei Umzug in ein anderes EU-Land mitgenommen werden.

Dafür hat die Europäische Union einen gesetzlichen Rahmen gesetzt, den bislang kein Anbieter erfüllen wollte oder konnte. Zumindest für die Bürger in der Slowakei ändert sich dies nun.

Erstmals lässt sich die Europarente abschließen

Der Anbieter Finax hat seinen Sitz in der Slowakei. Das Fintec mit dem Fokus auf Online-Wertpapierhandel ist dort sowie in Polen, Kroatien, Tschechien und Ungarn aktiv. Dem Unternehmen kommt dabei zugute, dass sich die Europarente nicht nur an Versicherungsunternehmen richtet. Auch Vermögensverwalter und andere Finanzdienstleister können im Rahmen von PEPP Angebote auflegen. Für Neobroker und Robo-Advisor besteht so die Chance, den europäischen Markt zu erschließen.

Finax bietet zwei PEPP-Varianten an: den Basistarif und einen konservativ ausgerichteten Tarif. Derzeit sind diese nur für Personen mit Wohnsitz in der Slowakei abschließbar.

Europarente: Anbieter sehen bislang eher Hürden als Chancen

Ob sich Finax weitere Unternehmen anschließen werden, ist abzuwarten. In Deutschland hatte in der Vergangenheit das Fintech Vantik angekündigt, die Europarente auf den Markt bringen zu wollen. Allerdings musste das Start-up Mitte des Jahres Insolvenz anmelden.

Die deutschen Versicherer werden indes wohl nicht zu den Vorantreibern der Europarente zählen. Ihr Interesse ist durch die Vorgaben der EU mit Blick auf die Garantieforderungen im aktuellen Zinsumfeld gering. Zudem wird die Nachfrage an PEPP-Produkten als niedrig einschätzt. Ein weiterer Faktor dürfte die Begrenzung der Gebühren auf ein Prozent des verwalteten Vermögens darstellen.

Hinzu kommt der geforderte Inflationsausgleich: Über 40 Jahre Ansparphase muss die Wertentwicklung mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent über der jährlichen Inflationsrate liegen. In der aktuellen Zeit mit einer Inflation hierzulande von fast acht Prozent lässt sich das schwer gestalten.

Reformen im deutschen Rentensystem lassen auf sich warten

Dass die private Altersvorsorge bei einem Umzug ins EU-Ausland nicht auf einen anderen Anbieter übertragen werden kann, dürfte in Deutschland ein eher kleines Problem bei der Ruhestandsabsicherung darstellen. Wichtiger ist es, die gesetzliche Rentenversicherung zukunftsfest zu gestalten. Schließlich gibt es immer weniger Beitragszahler, die die Renten von immer mehr Senioren finanzieren.

Die Ampel-Koalition hält hierfür die sogenannte Aktienrente als Antwort parat. Mit ihr soll die Rentenversicherung Geld in Fonds anlegen und somit von den Renditechancen des Kapitalmarkts profitieren können. Doch der Krieg in der Ukraine, der zu einen enormen Anstieg der Energiepreise und der Inflation geführt hat, nimmt die volle Aufmerksamkeit von SPD, Grüne und FDP ein. Es ist daher unklar, wann die Aktienrente eingeführt wird.

Daneben muss die Regierung auch noch klären, wie es mit der Riester-Rente weitergehen soll – reformieren oder abschaffen?