Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Stiftung Warentest: Jede zehnte Unfallversicherung ist sehr gut

Nach dreijähriger Pause hat die Stiftung Warentest wieder Testsieger im Bereich der privaten Unfallversicherung ermittelt. Knapp 120 Angebote wurden hinsichtlich ihrer Leistungen, Versicherungsbedingungen und Anträge getestet. Im Vergleich zur letzten Untersuchung schneiden mehr als doppelt so viele Tarife mit einer sehr guten Note ab.

Veröffentlicht am 18. September 2018

  • Die neueste Untersuchung zur privaten Unfallversicherung zeigt, dass es einige sehr gute Tarife mit Top-Leistungen gibt.
     
  • Im Jahr kosten diese jedoch je nach Berufsgruppe bis zu 564 Euro. Viele gute Angebote sind dagegen wesentlich günstiger.
     
  • Um den besten Mix aus Preis und Leistung zu finden, empfiehlt sich ein unverbindlicher Tarifvergleich.

Sind Personen nach einem Unfall, etwa einem Treppensturz, dauerhaft gesundheitlich eingeschränkt, erhalten sie von ihrer privaten Unfallversicherung eine Einmalzahlung. Die Höhe hängt unter anderem von der gewählten Versicherungssumme, der Schwere der Beeinträchtigung und der sogenannten Progression ab. Letztere dient dazu, dass sich die ausgezahlte Summe bei starker Invalidität erhöht.

Die meisten Unfallversicherungen, die die Stiftung Warentest aktuell untersucht hat, sehen eine Versicherungssumme von 100.000 Euro und eine Progression von 500 Prozent vor (Finanztest 10/2018). Führt ein Unfall dazu, dass Versicherte vollinvalide sind, erhalten sie daher 500.000 Euro vom Versicherer. Mit diesem Geld lassen sich beispielsweise Umbaumaßnahmen finanzieren, sodass das Leben trotz der gesundheitlichen Einschränkung in der gewohnten Umgebung weiter möglich ist.

Wie wurde getestet?

Für die neueste Untersuchung hat die Stiftung Warentest 117 private Unfallversicherungen untersucht. Die Verbraucherorganisation bewertete dabei, wie viel Geld der Versicherer in Abhängigkeit zur gesundheitlichen Beeinträchtigung des Kunden insgesamt auszahlt. Alle Tarife leisten bereits ab einer Invalidität von einem Prozent. Zudem wurde überprüft, wie gut die Versicherungsbedingungen für Verbraucher sind:

  • Sind beispielsweise Unfälle versichert, die alkohol- oder medikamentenbedingt passiert sind?
  • Zahlt die Versicherung, wenn der Unfall durch Eigenbewegungen wie eine Verrenkung verursacht wurde?
  • Sind Zeckenbisse abgedeckt?

Ein weiteres Kriterium war der Antrag zur Unfallversicherung. Je verbraucherfreundlicher die Fragen darin sind, desto besser wurde der Tarif bewertet. Die jährlichen Kosten für die private Unfallversicherung hatten dagegen keinen Einfluss auf die Bewertung. Sie wurden dennoch für Kinder und zwei Berufsgruppen (niedrige und hohe Gefahrengruppe, Musterkunde jeweils 35 Jahre alt) aufgelistet.

Elf Unfallversicherungen überzeugen mit Leistung und Vertragsbedingungen

Den Testern zufolge haben Interessierte die Auswahl zwischen mehreren Tarifen sowohl mit „Top-Versicherungsleistungen zu einem hohen Preis als auch mit einem soliden Schutz zu weitaus günstigeren Jahresbeiträgen.“ Die am besten bewertete Unfallversicherung kostet im Jahr beispielsweise 354 Euro (niedrige Gefahrengruppe) beziehungsweise 564 Euro (hohe Gruppe). Der günstigste, als gut bewertete Tarif veranschlagt dagegen nur 69 Euro beziehungsweise 121 Euro.

Insgesamt elf der 117 untersuchten Angebote erhalten eine sehr gute Bewertung. Beim Test vor drei Jahren waren es noch fünf Tarife. Einige Versicherer überzeugen dabei gleich mit mehreren Unfallversicherungen. Die folgende Übersicht zeigt daher das jeweils am besten bewertete Angebot des Versicherers. Details zum Gesamtergebnis finden Interessierte auf der Themenseite Unfallversicherung Test.

Top-Unfallversicherungen 2018 sind laut Stiftung Warentest:

Anbieter Tarif
Allianz UnfallschutzPlus mit Topschutz
InterRisk XXL mit Maxi-Taxe
DFV Unfallschutz Flex mit dem Leistungspaket Komfort
SLP Primus Plus
HanseMerkur Top mit Gliedertaxe III und Klassik Progression
WGV Optimal

Tipp: Die Experten betonen, dass die private Unfallversicherung zur Lebenssituation, zum Beruf und zu den Hobbys passen muss. Entsprechend wichtig ist es, unterschiedliche Tarife und deren Versicherungsbedingungen beispielweise mit einem Vergleichsrechner gegenüberzustellen, um den persönlich besten Schutz zu finden.

Versicherung wechseln und Leistungen verbessern

Der Stiftung Warentest zufolge lohnt es sich für Verbraucher, die schon längere Zeit mit einer privaten Unfallversicherung vorgesorgt haben, ihren Vertrag mit neuen Angeboten zu vergleichen. „Ein Wechsel kann Geld sparen oder im Schadensfall zu höheren Auszahlungen führen – im besten Fall beides“, so die Verbraucherorganisation.

Ein guter Tarif sollte weltweit gelten, Leistungen ab einem Prozent Invalidität vorsehen und mindestens 500.000 Euro bei Vollinvalidität auszahlen. Wichtig sind zudem unter anderem die Übernahme von Bergungskosten und Schönheitsoperationen nach einem Unfall sowie eine verbesserte Gliedertaxe. Mit ihr wird der Grad der Beeinträchtigung beurteilt. Sie unterscheidet sich zwischen den Versicherern.