Berufsunfähigkeit und Multiple Sklerose: Wie stehen die Chancen für eine Versicherung?

Nicht jeder mit der Diagnose Multiple Sklerose (MS) ist sofort berufsunfähig. Trotzdem besteht für MS-Betroffene die Gefahr, dass sie aufgrund ihrer Krankheit vorzeitig aus dem Arbeitsleben aussteigen müssen. Eine gute Absicherung für den Einkommensverlust ist dann Gold wert.

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Berufsunfähigkeits­versicherung bei Multipler Sklerose: Das sollten Sie beim Vertragsabschluss bedenken

Eine Auswertung des MS-Registers der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft zeigt, dass fast ein Viertel der betroffenen Patienten vorzeitig in Rente geht. Der Grund ist eine Erwerbs- oder Berufsunfähigkeit. Mehr als die Hälfte der befragten MS-Patienten (insgesamt etwa 57 Prozent) gibt dagegen an, in einer Vollzeit- oder Teilzeitbeschäftigung zu sein.

Auch wenn viele betroffene Menschen ihrer Berufstätigkeit lange ohne Einschränkungen nachgehen können, kommt es meist zu längeren Zeiten mit Arbeitsunfähigkeit. Ein Versicherungsschutz bei Berufsunfähigkeit oder Erwerbsminderung ist daher eine wichtige Vorsorge.

  • Multiple Sklerose ist eine chronische Entzündung des Nervensystems.
  • Bei Versicherungsabschluss muss der Antragsteller Gesundheitsfragen beantworten.
  • Für MS-Patienten ist es daher sehr schwer, einen Berufsunfähigkeitsschutz zu finden.

Dieser Ratgeber behandelt folgende Bereiche zum Thema:

Diagnose Multiple Sklerose: Wie zeigt sich die Krankheit?

Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Die körpereigenen Zellen greifen die Schutzschicht der Nervenzellen in Gehirn und Rückenmark an. Dadurch kommt es zu Funktionsstörungen der betroffenen Nerven. Die Autoimmunerkrankung verläuft in Schüben, ist nicht ansteckend, aber auch nicht heilbar.

Die Ursachen für die Erkrankung sind nicht ganz klar. Medizin-Experten sehen eine Mischung aus genetischer Veranlagung und weiteren Faktoren wie Infektion, Vitamin-D-Mangel oder ungesunde Lebensweise mit starkem Rauchgewohnheiten als mögliche Gründe an.

Häufige Symptome bei MS

Multiple Sklerose ist bekannt als die „Krankheit mit den 1.000 Gesichtern“. Denn die Art und Weise, wie sie in Erscheinung tritt, ist völlig unterschiedlich und individuell. Es hängt jeweils davon ab, welche Nervenstrukturen gereizt oder entzündet sind. Es beginnt zunächst mit nur einem Krankheitsanzeichen auf. Erst im weiteren Verlauf der Erkrankung kommen noch weitere MS-Symptome hinzu.

Erste Anzeichen für Multiple Sklerose sind:

Weitere Symptome, die auf eine MS hindeuten, sind Fatigue (starke Erschöpfung und Ermüdung), Lähmungserscheinungen sowie Sprachstörungen.

An MS erkranken oft junge Menschen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Sie tritt also in einer Zeit auf, in der sich die meisten Menschen ihre Karriere aufbauen und in das Berufsleben starten. Daher liegt die Frage nahe, welche Absicherung für Betroffene möglich ist.

Berufsunfähigkeits­versicherung trotz Multipler Sklerose: Geht das noch?

Für den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) sind Vorerkrankungen wie Multiple Sklerose eigentlich schon fast ein Ausschlusskriterium. Das heißt, wenn eine Person die Diagnose der Krankheit bereits hat, lehnen die Versicherer den Aufnahmeantrag oft gleich ab.

Angesichts der möglichen Symptome und der Schädigung des Nervensystems schätzen sie die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Berufsunfähigkeit kommt, als sehr hoch ein. MS-Patienten gelten daher für viele Versicherungsgesellschaften als unversicherbar.

Tipp:

Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen will, sollte nicht zu lange warten. Denn Alter und Gesundheitszustand sind wichtige Faktoren, die sich auf BU-Kosten und Leistung der Police auswirken. Es gilt: Je jünger der Versicherungsnehmer ist, desto gesünder ist er und desto besser sind die Vertragskonditionen, die der Versicherer anbietet.

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Wie beeinflusst die Vorerkrankung den Versicherungsschutz?

Eine Chance auf einen Vertrag besteht deshalb, weil die Anbieter bei den Anträgen nach Einzelfall entscheiden. Zudem setzen sie bei der Bewertung von Vorerkrankungen unterschiedliche Schwerpunkte: Für den einen ist die MS-Diagnose ein No-Go, ein anderer Anbieter macht ein Angebot, weil noch keine Folgeerkrankungen vorliegen.

Trotzdem sollten Interessierte, die bereits bei Vertragsabschluss eine Krankengeschichte und Vorerkrankungen mitbringen, nicht mit einem uneingeschränkten BU-Schutz rechnen. Neben der kompletten Ablehnung können die Anbieter den Versicherungsschutz anpassen, wenn der Gesundheitszustand das Risiko von Berufsunfähigkeit erhöht. Sie können:

einen Risikozuschlag berechnen

einen Leistungs­ausschluss vorschlagen

Die BU wird dadurch entweder teurer oder der Versicherungsschutz wird geringer. Letzteres würde bei MS-Patienten bedeuten, dass sie zwar einen Versicherungsvertrag erhalten können. Leistungen bei Nervenkrankheiten wie MS sind davon jedoch aus den Vertragskonditionen ausgeschlossen. Entsteht die Berufsunfähigkeit infolge der Multiplen Sklerose, sieht die Versicherung dies nicht als Leistungsfall an und zahlt keine Berufsunfähigkeitsrente.

Eine weitere Möglichkeit für MS-Betroffene, um an eine BU-Versicherung zu kommen, sind Sonderangebote, also Tarife mit verkürzten Gesundheitsfragen. Eine vereinfachte Gesundheitsprüfung mag auf den ersten Blick wie die perfekte Lösung wirken, sie hat aber auch ihre Tücken. In Bezug auf Berufsunfähigkeit bei Multipler Sklerose ist das Urteil vom Oberlandesgericht Karlsruhe aus dem Jahr 2018 ein maßgebliches Beispiel.

Die Gesundheitsprüfung ist ein wesentlicher Bestandteil beim Abschluss einer BU-Versicherungsvertrages. Der Antragsteller beantwortet dabei mehrere Fragen rund um Erkrankungen und Therapien aus dem Zeitraum der letzten fünf bis zehn Jahre. Weil davon auch die Bewilligung der BU-Rente im Leistungsfall abhängt, ist es wichtig, dass diese Angaben wahrheitsgemäß und genau sind.

Welchen anderen Versicherungsschutz gibt es?

Neben der Berufsunfähigkeitsversicherung leistet auch die Erwerbsunfähigkeitsversicherung im Fall, dass der Versicherte krankheitsbedingt nicht mehr arbeitsfähig ist. Der Unterschied zur BU liegt im höheren Schweregrad, der die Voraussetzung für eine Auszahlung der Rente ist. Mit Blick auf den Krankheitsverlauf werden Patienten zunächst berufsunfähig und erst danach erwerbsunfähig. Wer erwerbsunfähig ist, ist nur noch wenige Stunden einsatzfähig.

In der Grundfähigkeitsversicherung lassen sich hingegen verschiedene, alltägliche Fähigkeiten versichern. Bei Verlust eine dieser Skills zahlt der Versicherer die vereinbarte monatliche Rente aus. Ob der Versicherte berufsunfähig ist oder nicht und ob er seinen Job noch ausführen kann, spielt für diesen Versicherungsschutz keine Rolle.

Wenn es gar nicht mehr geht: Erwerbsminderungsrente bei MS

Ohne private Versicherung gegen Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit folgt nach der Lohnfortzahlung und dem Krankengeld die staatliche Erwerbsminderungsrente. Zumindest Angestellte, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr bis zum Eintritt ins Rentenalter arbeiten können, haben Anspruch auf diese Rente. Für den Leistungsantrag müssen sie jedoch verschiedene Voraussetzungen der Deutschen Rentenversicherung (DRV) erfüllen:

  • Noch kein Rentenalter erreicht
  • 5 Jahre Mindestversicherungszeit in der DRV
  • Mindestens 3 Jahre Pflichtbeitragszeit (innerhalb der letzten 5 Jahre)

Je nachdem, ob der Erkrankte maximal drei Stunden oder nicht mehr als sechs Stunden täglich arbeiten kann, wird ihm die volle beziehungsweise die teilweise Erwerbsminderungsrente gewährt.

Nutzerberichte aus Online-Foren lassen jedoch die Vermutung aufkommen, dass es nicht so leicht ist, diese Frührente zu erhalten. Viele Betroffene berichten von Ablehnungsbescheiden.

Wer einen Ablehnungsbescheid erhalten hat, kann mithilfe eines Rechtsbeistandes einen Widerspruch einlegen. Oft hilft es, noch einmal nachzuhaken und Einsicht in die Unterlagen zu verlangen. So kann etwa die Einschätzung des Gutachters der Versicherer den Bewertungen der Ärzte widersprechen und zu einer ungerechtfertigten Ablehnung führen.

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