Belebte Innenstadt
Jenny Gebel
Jenny Gebel

Online-Redakteurin

Altersvorsorge: Nächste Rentenreform ohne Riester?

Neben Gasumlage, Energiepreisen und Inflation muss sich die Bundesregierung auch mit der Rentenfrage auseinandersetzen. Die Koalition versprach, noch in diesem Jahr eine Rentenreform auf den Weg zu bringen, um die Rente langfristig zu sichern. Die Verbraucherzentralen fordern dabei das Aus für die Riester-Rente und Vorschläge für neue Ansätze.

  • Laut Koalitionsvertrag will die Bundesregierung die Finanzierung der gesetzlichen Rente reformieren und auch private Vorsorge-Optionen prüfen.
  • Die Verbraucherzentralen begrüßen neue Ansätze bei der Rentenfinanzierung. Das Modell Riester lehnen sie nach wie vor ab.
  • Sie sehen in einem Staatsfonds eine gerechtere Möglichkeit für Bürger, für das Alter vorzusorgen.

Energiepreise und Inflation ließen ein wichtiges Ziel der Regierungskoalition in den Hintergrund rücken: die Absicherung der gesetzlichen Rente. Bereits im April hatte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) das Rentenpaket II angekündigt. Dieses soll zwei Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag beinhalten: Zum einen will die Regierung dafür sorgen, dass das Rentenniveau stabil bei mindestens 48 Prozent bleibt. Zum anderen soll die Finanzierung der gesetzlichen Rente auf eine breitere Basis gestellt werden. Dies soll über den Aufbau eines Kapitalstocks erfolgen, also Vermögen, das auf dem Finanzmarkt angelegt wird.

Zugleich wollen SPD, FDP und Grüne laut Koalitionsvertrag auch neue Möglichkeiten einer staatlich gestützten privaten Altersvorsorge prüfen. So ist von einem „dauerhaften Fond“ die Rede, der „von einer unabhängigen öffentlich-rechtlichen Stelle professionell verwaltet werden“ soll.

Verbraucherzentralen bleiben dabei: Riester ist keine Option in der Rentenreform

Neue Ansätze für die private Altersvorsorge begrüßt auch Ramona Pop, die neue Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv). Gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) erklärte sie: „Es braucht ein neues System. Der neue Ansatz müsste sein, eine private Altersvorsorge in einer öffentlich rechtlichen Organisationsform auf den Weg zu bringen.“ Dies könne beispielsweise ein staatlicher Fonds leisten.

Einer Neuauflage der Riester-Rente erteilte die Verbraucherschützerin hingegen ganz klar eine Absage: „Die Riester-Rente ist nicht reformierbar. Daran haben sich schon viele Regierungen versucht.“ Pop sieht vielmehr im schwedischen Modell der Garantierente ein mögliches Beispiel dafür, wie eine neue Form der gesetzlichen Rentenversicherung aussehen könnte.

Die schwedische Alterssicherung setzt sich aus einem Umlageverfahren und einer Kapitaldeckung zusammen. Außerdem schließt das System alle Erwerbstätigen ein, auch Beamte und Selbstständige.

Regierungsberater befürworten eine kapitalgedeckte Altersvorsorge

Auch von anderer Seite erfolgt immer mehr Druck auf die Koalition, endlich in Sachen Rente neue Vorschläge zu machen.

Erst letzte Woche legte der unabhängige Wissenschaftliche Beirat des Bundesfinanzministeriums ein Gutachten vor, in dem er, vereinfacht gesagt, die Pflicht einer privaten Altersvorsorge fordert. Während die Riester-Rente auf Freiwilligkeit basiert, sollte es in diesem neuen Modell mit kapitalgedeckter Rente einen Pflichtbeitrag geben.

Auch die Ökonomen verweisen auf die schwedische Garantierente als Beispiel. Doch im Gegensatz zu den Verbraucherschützern würden sie neben staatlichen Fonds auch private Vorsorge-Anbieter in Betracht ziehen, wenn diese bestimmte Sicherheitskriterien erfüllen.

Alle Augen auf das Rentenpaket II

Die Riester-Rente hat in diesen beiden Konzepten zur künftigen Finanzierung der gesetzlichen Rente keinen Platz mehr. Daher warten nun alle gespannt darauf, was das zweite Rentenpaket zu bieten hat.

Bis zum Ende des Jahres möchte die Bundesregierung die Rentenreform voranbringen. Nach Energiepreisen, Entlastungen und Inflation steht den Politikern dann womöglich noch eine Diskussion über die Rente bevor.