Person greift sich an den Rücken
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Stiftung Warentest: Jede 2. Berufsunfähigkeitsversicherung sehr gut

Wer wegen gesundheitlicher Probleme nicht mehr arbeiten und somit kein Geld verdienen kann, gerät schnell in eine finanziell brenzlige Lage. Das Sicherheitsnetz über den Staat fängt Betroffene nur wenig auf, sodass „private Initiative gefragt ist“, so die Stiftung Warentest. Sie hat über 70 Berufsunfähigkeitsversicherungen getestet, die im Ernstfall helfen.

  • Der neueste Test der Stiftung Warentest bestätigt den Berufsunfähigkeitsversicherungen eine hohe Qualität.
  • Auffällig sind die großen Kostenunterschiede zwischen den Top-Tarifen.

Der Krankenkasse DAK-Gesundheit zufolge fehlten Arbeitnehmer 2020 am häufigsten im Job wegen Problemen mit dem Muskel-Skelett-System wie Rückenschmerzen, gefolgt von psychischen Erkrankungen. Bleiben die gesundheitlichen Schwierigkeiten bestehen, drohen Beschäftigte aus der Arbeitsunfähigkeit in die Berufsunfähigkeit zu rutschen. Mit dem Wegfall des regelmäßigen Einkommens fällt es nicht nur schwer, den bisherigen Lebensstandard zu halten. Zu den gesundheitlichen Problemen gesellen sich schnell finanzielle.

Aus diesem Grund zählt die Berufsunfähigkeitsversicherung zu den wichtigsten Absicherungen, für die sich Verbraucher entscheiden können. Zwar gibt es mit der Erwerbsminderungsrente ein gesetzliches Auffangnetz. Doch die Rentenzahlungen sind sehr niedrig.

Auf der Suche nach einem optimalen Versicherer helfen oftmals Tests, um gute von schlechten Berufsunfähigkeitsversicherungen zu trennen. Nach Meinung der Stiftung Warentest ist die Qualität der Angebote allerdings generell auf einem hohen Niveau. In ihrer aktuellen Untersuchung von 71 Tarifen schneiden 35 sehr gut ab, weitere 32 Berufsunfähigkeitsversicherungen sind gut.

Tipp:

Weitere Vergleiche finden sich auf der Seite Berufsunfähigkeitsversicherung im Test.

So wurde getestet

In ihrem Vergleich untersuchte die Stiftung Warentest für die Mai-Ausgabe der Finanztest über 70 Berufsunfähigkeitsversicherungen. Im Fokus standen dabei die Versicherungsbedingungen, die zu 75 Prozent ins Gesamtergebnis einflossen. Neben den wichtigsten Bedingungen wie

  • Verzicht auf abstrakte Verweisung
  • Nachversicherungsgarantie,
  • 6-Monats-Prognose (Berufsunfähigkeit ist vom Arzt für mindestens sechs Monate diagnostiziert),
  • Rückwirkende Leistungen, wenn die Berufsunfähigkeit verspätet gemeldet wurde und
  • Stundung der Beiträge bei Zahlungsschwierigkeiten

blickten die Tester auf weitere Kriterien, etwa ob eine anerkannte Erwerbsminderung auch als Berufsunfähigkeit akzeptiert wird oder ob der Versicherer auf eine Mitteilung über einen veränderten Gesundheitszustand verzichtet.

Die restlichen 25 Prozent entfielen auf die Bewertung des Antrags. Hier setzen sich viele sehr gute Berufsunfähigkeitsversicherungen von den guten Tarifen ab, etwa durch verbraucherfreundlichere Fragen in der Gesundheitsprüfung.

Die Verbraucherorganisation hat zudem die Kosten für Modellkunden ermittelt. Die Beitragshöhe hatte keinen Einfluss auf die Testergebnisse. Allerdings zeigen sich hier teils große Unterschiede.

67 von 71 Berufsunfähigkeitsversicherungen sind sehr gut oder gut

Schon beim Test vor zwei Jahren gelang es der Mehrheit der untersuchten Berufsunfähigkeitsversicherungen, die Stiftung Warentest zu überzeugen. Dieses Jahr erreicht die Basler mit der Finanztest-Note 0,8 die höchste sehr gute Bewertung. Weitere fünf erreichen die Note 0,9:

  • Basler „SBU BAL 8408 (01.21)“
  • Alte Leipziger „SBU BV10 pm 2300 – 01.2021“
  • Europa „SBU E-BU (01.21)“
  • Generali „SBU (04.21)“
  • Hannoversche „SBU 20 Basis (08.20)“
  • Provinzial Rheinland „SBU Top SBV (04.2021)“

Ein Industriemechaniker, der sich eine Rente von 1.500 Euro wünscht, müsste bei diesen Berufsunfähigkeitsversicherungen zwischen 797 Euro und 1.317 Euro im Jahr, also rund 66 Euro bis 110 Euro monatlich zahlen. Berücksichtigt man alle sehr guten Tarife, geht die Preisspanne sogar bis 1.929 Euro im Jahr. Interessierte können daher mit einem unverbindlichen Vergleich mehrerer Angebote sehr viel Geld sparen.

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Auf unterschiedliche Beitragsangaben achten

Beim Tarifvergleich rät die Stiftung Warentest dazu, auf den Unterschied zwischen Tarif- und Zahlbeitrag zu achten. Diese Werte werden auch als Brutto- und Nettobeitrag bezeichnet. Der Zahlbeitrag gibt an, wie hoch der zu zahlende Beitrag ist. Auf diesen Betrag kommen die Versicherer, nachdem sie beispielsweise erwirtschaftete Überschüsse mit dem Tarifbeitrag verrechnet haben.

Das bedeutet: Bleiben Überschüsse weg, steigen die Kosten für die Berufsunfähigkeitsversicherung – bis auf Höhe des Tarifbeitrags. Entsprechend sollten Interessierte auf einen möglichst kleinen Abstand zwischen beiden Beträgen achten. So wachsen ihnen die Versicherungskosten nicht über den Kopf.