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Ratgeber
Was sind eigentlich Gesundheitsfragen? Muss ich diese immer beantworten? Antworten auf diese und weitere Fragen finden Sie hier.

Wie reagiere ich bei den Gesundheitsfragen zur Berufsunfähigkeitsversicherung?

Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) sind Gesundheitsfragen ein wichtiger Teil der Antragstellung. Unvollständige oder nicht wahrheitsgemäße Angaben führen dazu, dass die Versicherung ihre Leistungen im Falle von Berufsunfähigkeit verweigern können. Eine fehlerhafte Gesundheitsprüfung hat darüber hinaus weitere unangenehme Folgen für den Versicherten.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Was sind die Gesundheitsfragen?

Vor Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung muss sich der Antragsteller zunächst einer Risikoprüfung unterziehen. Damit schätzt die Versicherungsgesellschaft die Wahrscheinlichkeit dafür ein, dass der Versicherte tatsächlich berufsunfähig wird. Neben dem Beruf, den Hobbys und anderen Merkmalen interessiert sich die Versicherung besonders für den gesundheitlichen Zustand des Antragstellers. Diesen fragt sie meist durch sehr komplexe und ausführliche Gesundheitsfragen ab.


Hier ein kleiner, beispielhafter Auszug aus den Gesundheitsfragen der Allianz, die sich auf die vergangenen fünf Jahre beziehen:

Sind oder waren Sie bei Ärzten, Heilpraktikern, Physio-, Psychotherapeuten oder sonstigen nichtärztlichen Therapeuten in Beratung, in Behandlung oder zur Untersuchung wegen Krankheiten oder Beschwerden in den folgenden Bereichen:

  • Herz, Kreislauf (z. B. Erkrankung der Herzkranzgefäße, ärztl. diagnostizierter Bluthochdruck, Schlaganfall, Venenentzündung)?
     
  • Atmungsorgane (z. B. Lungenentzündung, chronische Bronchitis, Asthma)?  
     
  • Verdauungsorgane (z. B. Magen, Darm, Galle, Bauchspeicheldrüse, Leber)?

Was sind die Folgen von erkannten Risiken bei der Gesundheitsprüfung?

Stellt die Versicherung durch die beantworteten Gesundheitsfragen Risiken fest, hat sie verschiedene Möglichkeiten darauf zu reagieren.

Reaktion  
Ablehnung Es besteht keine Möglichkeit, sich bei diesem Versicherer gegen Berufsunfähigkeit absichern zu lassen.
Risikozuschläge Aufgrund des erhöhten Risikos einer Berufsunfähigkeit, zum Beispiel durch bestimmte Vorerkrankungen, muss der Versicherte höhere Beiträge für seine Absicherung zahlen.
Leistungsausschlüsse: Hatte der Antragsteller beispielsweise in der Vergangenheit Knieprobleme, kann der Versicherer ihm eine BU-Police anbieten, die eine Rentenzahlung bei einer Berufsunfähigkeit durch Knieschäden ausschließt.

Der richtige Umgang mit den Gesundheitsfragen in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Ablehnung, Risikozuschläge und Leistungsausschlüsse von Seiten der Berufsunfähigkeitsversicherung sind für den Antragsteller sehr unerfreuliche Ergebnisse. Auch zukünftige Versicherungsabschlüsse bei anderen Anbietern können durch die Gesundheitsprüfung erschwert werden.

Ein zu lockerer Umgang mit den Gesundheitsfragen ist jedoch keine Lösung: Falsche Angaben oder die Verheimlichung von Vorerkrankungen führen dazu, dass der Versicherer die Leistungen im Falle einer Berufsunfähigkeit verweigern darf. Falschangaben verjähren dabei erst nach einer Frist von bis zu zehn Jahren. Bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung sind die Gesundheitsfragen deshalb mit besonderer Vorsicht und Aufmerksamkeit zu behandeln.

Tipp: Interessierte sollten sich von einem Experten beraten lassen, was sie bei den Risikovoranfragen, den Gesundheitsfragen und dem Vertragsabschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung beachten müssen. Er stellt auch ein Angebot zusammen, das optimal zu den individuellen Bedürfnissen passt, und begleitet Interessierte auf dem gesamten Weg zur passenden Absicherung.

Die eigenen Vorerkrankungen gewissenhaft aufarbeiten

Bevor für die Berufsunfähigkeitsversicherung Gesundheitsfragen beantwortet werden, sollten Interessierte ihre eigene gesundheitliche Vergangenheit gründlich aufarbeiten. Denn ob Therapien, Vorerkrankungen oder Operationen schlicht vergessen oder absichtlich verschwiegen wurden –  Konsequenzen hat diese Falschangabe trotzdem.

Um sicher zu gehen, dass alle relevanten Vorerkrankungen berücksichtigt wurden, ist es sinnvoll, im Vorfeld Auskünfte von der Krankenversicherung und den behandelnden Ärzten einzuholen.

Interessierte müssen jedoch nicht ihre komplette Gesundheitsgeschichte aufdecken. Oft werden im Antrag zur Berufsunfähigkeitsversicherung Gesundheitsfragen zu Krankheiten, Beschwerden und Arztbesuche nur für die vergangenen fünf Jahre abgefragt. Bei Operationen sowie Psychotherapien sind die letzten zehn Jahre interessant. Je kürzer der Abfragezeitraum, desto geringer ist die Gefahr, dass der Antragsteller im Zuge der Gesundheitsprüfung die Anzeigepflicht verletzt.

Keine Angst vor Ablehnung nach Beantwortung der BU-Gesundheitsfragen

Auch wenn beim Antrag einer Berufsunfähigkeitsversicherung einiges beachtet werden muss, sollten Interessierte nicht zu viel Sorge vor den Gesundheitsfragen haben. Drei Viertel aller Anträge werden ohne Zuschläge oder Ausschlüsse angenommen. Lediglich vier Prozent werden von den Versicherern komplett abgelehnt, wie eine Statistik des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zeigt.

Das Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft

Die Versicherungsgesellschaften haben das Recht, die Antworten auf die Gesundheitsfragen für jede einzelne Person im Hinweis- und Informationssystem (HIS) der Versicherungswirtschaft zu speichern. In dieser Datenbank werden unter anderem Informationen über Interessierte, Versicherte, geschädigte Personen und Objekte sowie Zeugen für maximal zehn Jahre hinterlegt.

Zweck dieses Systems ist eine effiziente Risikoprüfung und die Bekämpfung von Versicherungsbetrug, womit die Versichertengemeinschaft vor finanziellen Nachteilen geschützt werden soll. Jede Versicherung kann so Daten über Personen vorsorglich oder in Verdachtsfällen in diesem System anlegen. Auch bereits bekannte Risiken und Vorerkrankungen werden hier gespeichert.

Andere Versicherungen, bei denen eine Person einen Antrag stellt, haben Zugriff auf diese Datenbank und können neue Anträge aufgrund der gespeicherten Informationen ablehnen. Hier liegt der Vorteil einer anonymen oder pseudonymisierten Risikovoranfrage: Ein Eintrag in das HIS durch die Versicherungsgesellschaft erfolgt nicht, da ihr keine persönlichen Daten vorliegen.

Risikovoranfrage bei den Versicherern stellen

Falls Interessierte befürchten, aufgrund ihrer Gesundheitsgeschichte von der Versicherung abgelehnt zu werden, können sie durch einen Versicherungsexperten eine Risikovoranfrage durchführen lassen. Er gibt dazu die kritischen gesundheitlichen Informationen anonymisiert oder unter einem Pseudonym an unterschiedliche Gesellschaften gleichzeitig weiter.

Wird der Versicherungswillige bei einem Anbieter abgelehnt, muss er keine weiteren Konsequenzen im Zuge der Risikovoranfrage befürchten, da er mit den belastenden Merkmalen nicht persönlich in Verbindung gebracht werden kann.

Gesundheitsfragen gewissenhaft und wahrheitsgemäß beantworten

Wenn Gesundheitsfragen nicht den Tatsachen entsprechend beantwortet wurden, besteht eine Anzeigenpflichtverletzung. Die Versicherungsgesellschaft hat dann insbesondere in schweren Fällen das Recht,

  • vom Vertrag zurückzutreten,
  • die bereits gezahlten Beiträge einzubehalten und
  • die gegebenenfalls begonnene Rentenzahlung zu stoppen.

Arglistige und vorsätzliche Falschangaben verjähren bei den BU-Gesundheitsfragen erst nach bis zu zehn Jahren. Werden dem Versicherer die Falschangaben innerhalb dieser Frist bekannt, wird er Konsequenzen ziehen. Allerdings sollten Antragsteller auch nicht mehr preisgeben als tatsächlich gefragt wird. Hier ist es wichtig, auf Formulierungen zu achten.

Kein Weg geht an der Gesundheitsprüfung vorbei

Welche Alternativen gibt es zu den klassischen Gesundheitsfragen?

Wer sich vor den Gesundheitsfragen bei der Berufsunfähigkeitsversicherung scheut, hat einen möglichen Ausweg: Einen Antrag mit einer vereinfachten Gesundheitsprüfung. Denn einen Antrag komplett ohne Gesundheitsfragen gibt es nicht. Alternative Varianten werden jedoch nur von einigen Versicherern angeboten und bieten dem Interessierten nicht nur Vorteile.

  • Vereinfachte Gesundheitsprüfung

    Einige Berufsunfähigkeitsversicherungen bieten eine vereinfachte Gesundheitsprüfung beim Antrag an. Während die regulären Gesundheitsfragen mehrere Seiten umfassen, werden in der vereinfachten Form nur wenige Fragen gestellt, die der Antragsteller zusammenfassend mit JA oder NEIN beantwortet.

    Die vereinfachten Gesundheitsfragen sind jedoch mit strengen Bedingungen verbunden, etwa mit einer maximalen Rentenhöhe, einem maximalen Eintrittsalter oder der Einschränkung auf bestimmte Berufsklassen. Auch erschweren die allgemein gehaltenen Formulierungen mitunter die wahrheitsgemäße Beantwortung der Gesundheitsfragen.
     
  • Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Gesundheitsfragen

    Eine Berufsunfähigkeitsversicherung komplett ohne Gesundheitsfragen abzuschließen, ist nicht möglich. Immerhin kann eine bereits bestehende Berufsunfähigkeitsversicherung ohne erneute Gesundheitsfragen nachträglich angepasst werden, wenn eine sogenannte Nachversicherungsgarantie vereinbart wurde.

    Auch wenn beim selben Versicherer bereits eine andere Police besteht, beispielsweise eine Rentenversicherung, kann diese ohne Gesundheitsprüfung in eine BU umgewandelt werden. Solche Modelle sind aber nur in Ausnahmefällen möglich. Generell gilt: Wer sich für eine Berufsunfähigkeitsversicherung interessiert, kommt um die Gesundheitsfragen nicht herum.

Ob mit oder ohne Gesundheitsfragen: Die optimale Berufsunfähigkeitsversicherung sieht für jeden Verbraucher anders aus. Um den eigenen Bedarf passgenau zu ermitteln und unter den vielen Tarifen das passende Angebot zu finden, sollten Interessierte einen Versicherungsexperten zurate ziehen. Dieser weiß nicht nur, auf welche Leistungen es ankommt, sondern auch welche Stolperfallen beim Ausfüllen der Gesundheitsfragen drohen.